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Derzeit heißt es Moped reparieren und DIA-Vorträge vorbereiten - ach ja arbeiten müssen wir auch wieder....

 

 

Wir haben uns sehr gefreut....am Samstag, 28.01.2017 durften wir um 16Uhr und um 19:30Uhr beim Lagerfeuer in Duisburg unseren Dia-Vortrag zur Panamericana-Reise halten. 

Mehr Informationen und andere tolle Vorträge gibt es unter www.lagerfeuer-duisburg.de

 

Unseren ausführlichen Reisebericht zur Ostseeumrundung 2016 findet ihr hier:

Europa-Ostsse

 

 

Julia+HaDi

F.A.T. - Stammtisch Westerwald

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vom Yellowstone NP zurück zum Pazifik

23.Juli 2013 bis 04.August 2013 - 2800 km (Gesamt:14.000 km)

(mit Genehmigung von www.welt-atlas.de)

Red Lodge in Montana war der östlichste Punkt dieses Abstechers. Zurück geht es über den Yellowstone NP und Grand Teton NP in Wyoming über Idaho nach Oregon. Dort geht es dann wieder über die 101 am Pazifik entlang in Richtung Süden.

Heute (23.07.2013) fahre ich den Beartoothpass erneut, diesmal in Richtung Yellowstonepark. Die von Euch, die mich motorradfahrend kennen, wissen, dass ich es langsam angehen lasse und nicht sportlich jede Kurve nehme. Und so verwundert es mich, dass ich alle Motorradfahrer auf dem Weg überhole und einen totalen Spaß auf der Strecke habe. Die zumeist Harleyfahrer sehen mich im Rückspiegel und machen Platz, der Erste fährt immer von der Strecke runter. Das wundert mich, bis mir auffällt, dass der erste einer Gruppe meist eine Helmkamera trägt. Sollte der Grund sein, dass sie auf dem Video nicht haben wollen, dass sie einer überholt, fände ich das ziemlich armselig! Naja, ich weiß es ja nich – war aber lustig, wie die alle so „wegspritzen“ :)))

 

Nach dem Beartoothpass kommt erneut der Yellowstone und ich fahre die „Ostschleife“ Die Natur ist atemberaubend! Leider ist der Park mit Besuchern völlig überfüllt und alsbald ein Tier auftaucht, machen alle eine Vollbremsung, bleiben mittig der Straße stehen und rennen hin. Ich habe am Rand einen Hirsch gesehen – das die Touries nicht aufgesessen sind war alles! (Wenn ich Hirsche sehen will fahre ich Nachts auf die Wiese bei der L86!) 

Irgendwann war mal wieder „Roadwork“ und ich musste in einer Schlange Fahrzeuge ca. 6 km bei 10km/h durch den Staub fahren. Bei einer Motortemperatur von 110 Grad hat dann die CDI abgeschaltet und das Motorrad war aus! Nach 45 Min Abkühlzeit ist sie dann wieder angesprungen und gefahren als nicht gewesen sei!

Knapp 200 km später bin ich in Jackson Hole und tanke. Nach wenigen Metern auf der Hauptstraße fängt Elenore an zu stottern, verschluckt sich und geht aus. Ich bekomm' sie nicht mehr an. Mist!

Ich stell das Motorrad ab und will in Richtung Tanke zurück, als mich zuerst ein BMW-Fahrer anspricht. John gibt mir den Namen einer Werkstatt und seine Telefonnummer, falls ich weitere Hilfe brauche. Direkt drauf drückt mir ein Abschleppunternehmer seine Karte in die Hand und gibt mir den Tipp das Motorrad dort auf keinen Fall stehen zu lassen, da die „Cops“ es abschleppen würden. Wieder ca. 1 min später kommt ein offensichtlicher Motocrosser auf einem Dirtbike, dass ich nicht erkenne (eine Husaberg!) Er bietet sofort Hilfe an und einen Platz, wo ich für die Nacht mein Zelt aufschlagen kann. Mit breitem Grinsen meint er: „Mir haben wildfremde Leute in Südamerika immer wieder aus der Patsche geholfen. Jetzt bin ich dran!“

Seine Thor Motorcrosshose zeigte starke Kampfspuren und er meint weiter „Wan'ne jump on bitch?“ ... Etwas irritiert über den Kraftausdruck, merke ich zum Glück noch schnell genug, dass das Umgangssprachlich : „Willst du als Sozia mitfahren?“ heißt.

Klar! Dann muss ich nicht zum Motorrad zurücklaufen. Elenore springt erneut an, als sei nix gewesen. *????* 

Nachdem „Scooter“ - mein Helfer - mich noch kurz zu Freunden mitgenommen hat, mit denen er verabredet war, fahren wir zum Haus seiner Eltern. Auch hier werde ich vorgestellt und freundlich aufgenommen. Ob ich im Haus schlafen will? - nein, dass ich das Zelt aufbauen kann hilft schon sehr! 

Nach einer unruhigen Nacht, schraube ich am morgen an Elenore herum. Jim Anderson (der Vater von Scooter) lädt mich zum Kaffee ins Haus ein. Was für liebe Menschen!

Ich hab alles aufgemacht, geguckt und gesäubert. Keine Ahnung was war. Nach einer Probefahrt bin ich guter Dinge. Alles ist normal.

Dann bekomm ich noch was zu Essen...nein, ohne werde ich nicht weggelassen!

Das ist doch unglaublich, oder?

Wow...Ich war vom Ausgehen des Motorrades bis zum letzten Hilfsangebot keine 5 Minuten unterwegs. Die Menschen sind so hilfsbereit!

Inzwischen bin ich über Mountain Home nach Sumpter gefahren. Sumpter liegt in Oregon. HaDi hatte den kleinen Campgruond im Internet gefunden: Sumpterpines RVPark - Total süß gelegen und sogar Wifi.

Mountain Home hingegen war ein lauter Stadtplatz, der landschaftlich so gar nichts hatte. Dafür entschädigte jedoch Sumpter. Die „Stadt“ (Dörfchen) hatte damals große Goldvorhaben zu verzeichnen. Das halbe Tal wurde umgegraben und das Gold aus dem Boden geholt. Heute hat man festgestellt, dass man damals nicht tief genug gegraben hat und nun vermutet man noch weitere Goldvorkommen. Als ich mein Zelt aufgebaut hatte, kamen noch zwei weitere Zelt-camper. Jack und Robert. Beide interessieren sich gar nicht so für meine Reise, sondern eher mehr für meine Ausrüstung. Was für ein Zelt und wieso so groß...Biolite...Schlafsack etc. Mal eine erfrischend andere Unterhaltung als sonst!

Als Robert hört, dass ich am nächsten Tag einfach so weiter fahren will, fragt er erstaunt, ob ich mir denn nicht die historische Dampflock anschauen möchte. Nö, Eisenbahnen interessieren mich eigentlich gar nicht. Na das geht aber nicht! Robert lädt mich kurzerhand zu einer Zugfahrt am nächsten Morgen ein. Und so fahre ich also Zug. Hans-Dieter wäre glücklich gewesen, eine echte historische Dampflock.

Der Marschall war auch im Zug, mit Säcken voller Gold und natürlich bewaffnet! Ja und dann wurde es laut. Mit großem Geknalle und Geschieße wurde der Zug überfallen und der Marschall als Geisel genommen – das Gold natürlich geklaut. Eine wirklich schöne kleine Inszenierung mit echten Revolvern, Platzpatronen und Pferden. War lustig!

Der Zug ist übrigens wirklich von 1882 – 1947 dort gefahren und wurde dann ab 1974 restauriert, zurückgekauft und wieder – für Touriezwecke – eingesetzt.

Nach der erfrischenden Abwechslung bin ich dann gegen 12:00 auf meinem Stahlross losgeritten. Die kleine Bergstraße in Richtung Nordwesten verläuft malerisch durch die Blue Mountains. Das war eine tolle Fahrt, die ich sehr, sehr genossen habe. Ab Heppner allerdings wurde es wieder eintönig und vor allen Dingen furchtbar windig. Kleine Windhosen, die Staub aufwirbeln tanzen neben der Straße (die werden Dustdevil genannt) und Elenore und ich werden von rechts nach links geschubst.

Das macht auf Dauer mal so gar keinen Spaß!! 

Nervig ist, dass der Wind am späten Nachmittag stark zunimmt und es ab Pendelton nur eine Möglichkeit gibt Richtung Westen zu fahren – die Schnellstraße/Interstate.

Zwar wird die Landschaft mit Erblicken des breiten Columbia River wieder wunderschön, jedoch benötige ich inzwischen die komplette Breite meiner Fahrspur und die LKW, die mich überholen kommen gefährlich nah. Das ist sehr anstrengend, wenn man ohnehin schon den ganzen Tag unterwegs ist.

Als ich an meiner Destination ankomme bin ich fertig wie eine gestrickte Wollmütze.

Manche Tage sind einfach anstrengender als andere. Aber: Elenore ist fehlerfrei gelaufen und das obwohl ich zwischendurch tanken musste (hiernach hat sie schon mal Probleme). 

Jetzt werde ich gleich in mein Zelt krabbeln und dann selig schlafen;)

Weil ich Montag (29.07.2013) mit Travis, dem Texaner, der Polizist in Portland ist (kurz vor D2D kennen gelernt), verabredet bin, fahre ich wieder in Richtung Küste. Ich übernachte süd-westlich von Astoria an der 101. Als ich mein Zelt aufgebaut habe kommen immer mehr Menschen, die meine Geschichte wissen wollen. Ein Mann bringt seinen 16jährigen Enkel vorbei, der mit mir Deutsch reden soll, da er Deutsch als Schulfach habe. Der arme Kerl fühlt sich sichtlich unwohl und ich frage ihn nur Dinge, die er mit Ja und Nein beantworten kann. Die beiden sind Teil einer Großfamilie, die hier auf dem Campground ein Familienfest feiern und ich bin ruckzuck zum Abendessen eingeladen. Es gibt Kartoffelsuppe, Austern, Hotdogs und im Teig frittierte Meeresfrüchte. Alles lecker und ich bin wirklich herzlich aufgenommen und habe einen tollen Abend.

Den nächsten Morgen fahre ich wieder Richtung Portland. Noch auf der Anfahrt zu Travis Haus, kommt der mir im Zivilwagen entgegen und lotst mich zu seinem Haus. Er muss noch bis 17:00 Uhr arbeiten – seine Freundin ist auch noch beruflich unterwegs und so zeigt mir Travis sein Haus mit den Worten „Mi casa es tu casa.“ Und ist wieder weg.

Ich dusche, wasche meine Wäsche und lege mich im Garten auf die Hängematte mit einem Glas Eiswasser. Herrlich!!! So lässt sich das Vagabundenleben doch aushalten!

Gegen 17:00 Uhr lerne ich auch Kelly kennen - sie ist die Freundin von Travis. Kelly läuft Marathon und trainiert gerade für einen Ultralauf. Sie ist die trainierteste Frau die ich kenne! Klasse! Und so gibt es auch zum ersten Mal auf meiner Reise was gesundes, und ausgewogenes zu Essen!

Danach zeigen mir Travis und Kelly die Stadt - u.a. ein deutsches Lokal - naja, zumindest was sich Amerikaner unter einem deutschen Lokal so vorstellen. Und wieder nehmen mich fremde Menschen gastfeundlich und herzlich auf!

Am nächsten Morgen mache ich mich auf den Weg Portland zu erkunden – zu Fuß! Travis hat mir zwar den riesen Nissan-Truck und sein Dirtbike angeboten, aber ich bin froh, dass ich mal die Beine benutzen muss. Dabei fällt mir auf, dass die akustischen Signale der Fußgängerampel, andere sind als bei uns!  

1. das Getute, dass die Ampel da ist, ist das gleiche.

2. wenn man den Knopf drückt, sagt eine Männerstimme: “Wait“ - ziemlich dominant!

3. ....und dann: anstatt zu sagen – go....kommen so Maschinengewehrsalven! Nicht so wahnsinnig laut, aber Salven!!! Das heißt dann wahrscheinlich: Move!!! ;)

Portland ist eine Stadt mit vielen Hippies, Althippies, uralten Volvos, VW-Bussen und macht mir einen recht alternativen Eindruck. So stelle ich mir Seatle vor (die Stadt hatte ich ausgelassen). Nach einigen Stunden des rumwandelns gehe ich wieder zurück zum Haus und treffe dort auf Travis, der mich gegen 15:00 Uhr zur Polizeistation fährt, denn er hat organisiert, dass ich mit einem Kollegen auf Streife fahren darf.

Louis Parry hat einen eigenen kleinen Bezirk in dem er so eine Art Kontaktbeamter ist. Louis ist noch recht jung und er musste sich bewerben, um in diesem Bereich arbeiten zu dürfen. „New Columbia“ war ein Problemviertel mit viel Gang-Aktivitäten, welches mit enormen finanziellen Mitteln und drastischen Umsiedlungsmaßnahmen in ein sauberes, aber sozial schwaches Viertel verwandelt wurde. Leute die hier wohnen haben in der Regel viele Kinder – die Frauen ziehen die Kinder zumeist alleine groß und das Einkommen der Menschen ist niedrig, wenn sie überhaupt Arbeit haben. Die Bewohner sind zu 70 % dunkelhäutig und der Rest kommt aus dem spanischsprechenden Amerika. Louis ist hier bekannt wie ein bunter Hund, Kinder kommen gelaufen und sprechen ihn mit „Officer Parry“ an. Die Stimmung ist freundlich und gelöst. Die Taktik der Polizei Portland scheint auf zu gehen: ständiger Aufenthalt im Streifenbezirk + Kommunikation und persönlicher Kontakt insbesondere mit den Kindern und den Jugendlichen.

Das funktioniert auch deswegen so gut, da die Ausrüstung der Streifenwagen und der Kollegen mit dem deutschen Standard nicht zu vergleichen ist!

  1. jeder Kollege hat eine Schussweste, die über der Uniform getragen wird. Hier ist alles integriert, was man schnell zur Hand haben muss: Funkgerät mit Kabelverbindung in der Weste zum Ohr (ähnlich wie die kleinen Spiralkabel von Zivilbeamten in Filmen, Messer, Taschenlampe, Handschellen, Taser ….) alles ist in der Weste!

  2. Das Handfunkgerät und das Funkgeraät auf dem Fahrzeug sind mit GPS ausgerüstet und die Leitstelle (dort arbeiten keine Polizeibeamten, sondern Angestellte) kann so erkennen wo der Streifenwagen ist und wo das Handfunkgerät ist.

  3. Laptops auf den Streifenwagen. Die können alles: E-Mail, Internet, polizeiliche Formularverwaltung, Verbindung mit dem polizeilichen Datenbestand – sprich alle notwendigen Informationen holen sich die Kollegen online direkt ins Auto – Airtime (Funkverkehr) ist nur für Notfälle, oder größere Koordinierungseinsätze. Einsätze werden über das Laptop versandt/angeboten. Wer frei ist, kann sich den Einsatz ziehen und muss so nicht funken. Alle Infos kommen auf das Laptop!

  4. Ein Teil der Streifenwagen ist mit Kameras ausgerüstet, nach allen vier Seiten hin, die ständig Kennzeichen selber erkennen und abgleichen. So fahren die Kollegen durch ihren Streifenbezirk und bekommen automatisch angezeigt, wenn ein Kennzeichen in der Fahndung ist.

  5. Louis nimmt einen Heroinabhängigen fest, der gegen seine Bewährungsauflagen verstoßen hat. Die Einlieferungsformulare für die „Gefängnisse“ (keine zentralen polizeilichen Zellen – ausschließlich Bundespolizeigefängnisse) werden im Streifenwagen ausgefüllt und per Knopfdruck in der aufnehmenden Anstalt ausgedruckt – als wir dort ankommen, wissen die Kollegen bereits wer eingeliefert wird und was mit ihm zu tun ist. Die Formulare liegen ausgedruckt für uns bereit!

     

    Ich bin begeistert über den technischen Standard und die Ausrüstung! Louis fährt nicht einmal die Wache an. Er sagt, dass er seine „Pausen“ zum trinken oder essen oder, oder.... in seinem Streifenbezirk macht. Nicht weil die Führung das so will, sondern, da er selber keine Notwendigkeit sieht.

Zwei Sachen noch:

1. Taser: Jeder der einen Taser mitführen will bekommt eine Beschulung und wird einmal selber getasert!!! Damit jeder weiß, wie sich das anfühlt und ob das für den jeweiligen Einsatz verhältnismäßig ist!! - Stellt Euch das mal in Deutschland vor!!! Ich will das gar nicht weiter durchdenken!!!

2. GPS: Die amerikanischen Kollegen hatten die gleichen Bedenken, die ich auch bei uns höre, wenn ich das Thema GPS anspreche: „Dann kann kontrolliert werden, wo man sich aufhält“. Jetzt ist das kein Thema mehr bei der Polizei in Portland. Der Vorteil der eigenen Sicherheit überwiegt die vorgetragenen Bedenken bei Weitem. Einsätze können viel besser koordiniert werden, da die Leitstelle weiß, wo welcher Polizeiwagen gerade ist....

Abends komme ich gegen 23:00Uhr zurück zu Travis und Kelly, erzähle noch ein bisschen von den Geschehnissen und stehe am nächsten Morgen mit den Beiden auf, denn ich will mich verabschieden. Ich will weiter ziehen und bin so dankbar für die tolle Zeit bei Travis und Kelly!!!

Vielen Dank für die Tolle Zeit!!!!

Nun fahre ich die berühmte 101 runter. Leider ist das Wetter nicht mehr schön. Es ist kalt (20 Grad – ja ich bin verwöhnt!) und bewölkt. Außerdem nimmt eine Art Nebel, der im wahrsten Sinne des Wortes über den Ozean gekrochen kommt, zu. Unweigerlich muss ich an den "Nebel des Grauens“ denken. Das ist erstaunlich, wie von jetzt auf gleich alles in einer dicken Suppe verschwindet und nass wird. Denn der Nebel besteht aus einer Art Sprühregen.

Mein Campground ist einfach – aber liebevoll... die Duschen sind klasse... außer ca. 15 RV ist niemand hier – keine Kinder – kein Spielplatz, aber ein Shop und ein großer Sandplatz für mein Zelt und für meine Elenore...ich bau' im Sprühregen auf – ekelhaft!

Irgendwie fühle ich mich nicht so wohl... ich schiebe das auf meine Katzenhaarallergie. Travis Freundin hat eine Katze und Katzen lieben mich! Ich versuche mich von ihnen fern zu halten und das scheint sie irgendwie zu animieren sich in meiner Nähe aufhalten zu wollen. Jedenfalls war meine Motorradjacke voller Haare, als ich in Portland losfahre. Ich muss niesen und fühle mich schlapp.

Das hat sich nach einer Nacht guten Schlafes (ich schlafe auf der Themarest wie ein Stein!! Ich glaube ich habe noch nie in meinem Leben tiefer und fester geschalfen!) auch nicht geändert. Heute fahre ich ein Stück nach Norden und erwandere dort für Touristen angelegte Trails, die wie immer liebevoll beschildert und mit vielen Informationen versehen sind über Flora und Fauna. Dennoch muss ich pausieren, ich bin kurzatmig und habe Schweiß auf der Stirn stehen – ich glaube ich werde krank?!?

Mist – egal, ich mache langsam und ignoriere die Symptome. Als ich zurück zum Campground komme, kümmere ich mich ums Pferd: Elenores Kette wird gepflegt...der Ölstand ist perfekt … die Reifen, Räder inkl. Speichen überprüft und für gut befunden. 

Danach pflegt sich die Fahrerin und geht was essen. Wäre doch gelacht, wenn mich ein Schnüpferchen aus dem Sattel wirft!!! Ich denke an die „Herren im Bad“ von Loriot. Der eine hatte auch einen Dickkopf und behauptet, dass er die Luft länger anhalten kann. ICH AUCH!

Den nächsten Morgen ist alles nass. Es hat die ganze Nacht geregnet und auch Morgens ist dieser Sprühregen überall!! Ihhhh... Aber es nutzt nix! Das Zusammenpacken ist eine logistische Herausforderung. Wie packt man was zuerst, damit nicht alles nass wird!?! Irgendwie geht es … langsam... aber schlussendlich ist „nur“ das Zelt nass und sandig. Dann geht’s los Richtung Süden. Je weiter südlich ich komme, je schöner wird das Wetter. Zwischendurch habe ich probiert im Norden Kaliforniens einen Zelplatz auf einem KOA Campground im Redwood National Park zu bekommen. Leider alles ausgebucht. Dadurch, dass es in der Gegend um Crater Lake brennt, und der Rauch die ganze Gegend eingenebelt hat, fliehen alle an die Küste. Dementsprechend voll ist alles. Nichts desto trotz, ich kann Sonntag und Montag in den Redwood und reserviere mir so diese zwei Tage. Bis dahin bleibe ich im Süden Oregons, etwas nördlich der Stadt „Port Orford“.

Die Küste ist traumhaft. Leider ist es hier immer frisch mit viel Wind und eiskaltem Pazifikwasser, denn das kommt aus Alaska. Hier würde niemand auf die Idee kommen schwimmen zu gehen! Und das wo doch die Küste so toll ist! Wie schade!!! Abends mache ich mir etwas zu essen und rede mit den Nachbarn – der Campingplatz füllt sich und jeder möchte meine Geschichte wissen. Als „Gegenleistung“ bekomme ich tolle Tipps für Kalifornien und San Francisco!

Heute Morgen dann ist es so weit! Ich wollte das erste Mal Pancakes essen! Die werden hier angeboten. Und wie ich so in der Schlange stehe sind Steve und Jerry vor mir – die beiden machen eine Harleytour durch Oregon. Wir kommen ins Gespräch – Steve besteht drauf mein Pancake-Frühstück zu zahlen. Schließlich sei ich ein Gast in diesem Land und Pancakes sind ein muss! Steve erzählt, dass sein Sohn bei der Polizei sei. Ruckzuck, habe ich ein Wappen und ein Hutabzeichen geholt – für seinen Sohn und auch als Dankeschön für die Essenseinladung . Steve erzählt weiter, dass er mir zwei Pins geben wird. Er hat keine Abzeichen, aber Pins. Und das sind besondere!! Denn Steves Sohn ist beim Secret Service und so bekomme ich CIA Pins. Er arbeitet im Weißen Haus! Die hat nicht jeder! Der Bär wird also ab heute ein besonderes Abzeichen tragen!

Nach dem Frühstück – was sehr lecker war - wird die Gegend erkundet. Erst fahre ich wieder Richtung Port Orford. Noch bevor man in die Stadt kommt geht nach links die Straße „Paradise Point“ ab. Diese fahre ich ganz durch bis zu einem Schotterparkplatz. Hier steht eines der berühmten Schilder: Jeder der ein straßenzugelassenes Fahrzeug besitzt und Inhaber einer gültigen Fahrerlaubnis ist, darf mit dem Fahrzeug den Strand befahren!!! Das man das darf, liegt an dem 1967 erlassenen Gesetz „Oregon Beach Bill“ - dies besagt, dass der Bevölkerung jeglicher Zugang zum Strand zu gewähren ist. Deshalb ist der Strand hier auch nicht in Privatbesitz von Hotelketten oder superreichen Menschen. Jeder darf zu jederzeit an den Strand! Und das auch mit Fahrzeugen. Leider trau' ich mich nicht den Hügel hinab zum Strand in den tiefen Sand zu fahren. Ich bin wie immer alleine hier.... keine Menschen zu sehen. Mit HaDi würde ich das ja machen. Aber alleine... und dann die Kiste im Sand begraben... mmmhhhh: nööö. So gehe ich alleine hinunter und lasse Elenörchen oben auf dem Schotterparkplatz stehen. Es ist wahnsinnig windig! Und am Horizont kriecht schon wieder der Nebel des Grauens auf... Nach einiger Zeit des "gegen den Wind den Strand hochlaufens" (ich bin ja kein kleines Dummerchen! ;)), kehre ich um und geh wieder zurück. Ich setze mich hinter einen großen,alten Baumstamm der als Treibgut seinen Weg an diesen Strand gefunden hat. Hier hinter ist es wunderbar – windgeschützt, sonnig, der Sand ist warm, das Rauschen des Meeres.... super!

Nach dem Ausruhen fahre ich wieder zurück gen Norden um mir den Leuchtturm anschauen zu können. Aber: der Nebel des Grauens macht mir einen Strich durch die Rechnung. Man sieht kaum die Hand vor Augen!!! Also wieder umgedreht und weiter Richtung Norden. In der Stadt Brandon soll es einen Farmers Market geben. Ein Gang hierüber zeigt mal wieder, dass der amerikanische Geschmack nicht unbedingt der der Europäer ist. Nein was für ein Kitsch!!! Ich fahre wieder zurück, mach mir lecker was zu Essen und genieße den ruhigen Nachmittag!

Heute (04.08.2013) geht es nach Kalifornien - hier lest ihr wie es weiter geht!