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Derzeit heißt es Moped reparieren und DIA-Vorträge vorbereiten - ach ja arbeiten müssen wir auch wieder....

 

 

Wir haben uns sehr gefreut....am Samstag, 28.01.2017 durften wir um 16Uhr und um 19:30Uhr beim Lagerfeuer in Duisburg unseren Dia-Vortrag zur Panamericana-Reise halten. 

Mehr Informationen und andere tolle Vorträge gibt es unter www.lagerfeuer-duisburg.de

 

Unseren ausführlichen Reisebericht zur Ostseeumrundung 2016 findet ihr hier:

Europa-Ostsse

 

 

Julia+HaDi

F.A.T. - Stammtisch Westerwald

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Kasachstan 

EXPO 2017 und ein Monat Zentralasien

Sonntag/Montag, 04./05.06.2017, 439km – Gesamt 5777km

Wir haben es geschafft und sind mit unseren guten alten Streitrössern tatsächlich vom Westerwald nach Kasachstan gefahren und das in wenig mehr als 3 Wochen. Da das mit der Grenze so flott geklappt hat, fahren wir insgesamt 439 km bis zu einem Naturschutzgebiet mit dem schönen Namen Burabay (Der Name bedeutet „reich an Kamelen“). Als Eintritt in das Naturschutzgebiet müssen wir pro Person 220 Tenge bezahlen – für die, die sich mit der kasachischen Währung nicht auskennen 220 Tenge sind 63 Eurocent. Vorher haben wir noch vollgetankt für 45 Eurocent den Liter!!

Im Naturschutzgebiet fragen wir nach der Möglichkeit zu campen – der Kasache kennt Campingplätze nicht – wenn man sein Zelt aufstellen möchte fragt man entweder den Dorfältesten, oder wie in unserem Fall am Eingang des Naturschutzgebietes. Wir bekommen eine Richtung gezeigt – nach 3 km rechts – HaDi findet die Stelle und fragt noch mal freundlich nach und bekommt eine Landzunge in einem der Seen zugewiesen. Der Ort ist ein Traum!! Seht Euch die Bilder an. Wir bleiben zwei Tage an diesem wundervollen Ort. HaDi klettert auf die ca. 650 m hohen Granitfelsen und macht absolut beeindruckende Fotos von der Gegend, während ich einen Tag ausspanne und einfach nur genieße.

Ein kurzes Wort zu den Kasachen. In Russland waren auch alle Menschen, die wir getroffen hatten, sehr sehr freundlich, aber erst nachdem WIR den Kontakt gesucht hatten. Die Kasachen sind anders. Sie winken, hupen und begrüßen uns. Sie suchen den Kontakt zu uns. So kommt es immer wieder zu tollen Begegnungen. Im Park treffen wir auf Olzhas der mit seinen Brüdern ebenfalls hier campt. Zack werden wir auf einen Tee und Gebäck eingeladen. Er holt uns später ab und wir finden mitten im Wald (wildes Camping) einen gedeckten Tisch vor. Der Tee wird in einem mit Holz befeuertem Samuwar zubereitet. Ein toller Abend – und da er aus Astana kommt sollen wir am Donnerstag die ganze Familie kennen lernen.

Dienstag, 06.06.2017, 318km – Gesamt: 6095km

Vor Astana steht jetzt die zentrale Steppe an. Wir wollen zum „Tengiz“-See, der von Heerscharen von Vögeln besiedelt sein soll, ganz besonders allerdings im Frühjahr und Herbst, da sich genau hier zwei große Vogelzugrouten kreuzen.

Es kommt etwas anders……zuerst ein leckeres Frühstück (1,50€ für beide mit Kaffee) dann geht es los. Nachdem wir die Hauptstraße verlassen hatten und etwa 25km auf dieser schnurgeraden Nebenstraße in der Einöde unterwegs sind fängt Julias Motorrad an zu schwimmen – ein STOP und das Dilemma ist offenbar – ein Nagel im Hinterrad, das wird den Zeitplan torpedieren. Noch während wir das Hinterrad ausbauen halten drei junge Männer an und fragen nach. Sie erklären uns (mit Händen, Füßen und Gesten), das genau zu Beginn der Straße, also 25km zurück eine geeignete Werkstatt ist. Ich soll mit Reifen in ihr Auto steigen und dann fahren wir dort hin – eine Höllentour sag ich euch: 4 Mann, ein gebeutelter LADA mit so naja Stoßdämpfern mit über 100km/h über diese Nebenstraße zurück……wir haben es geschafft. Die Reparatur kostet exakt 1,50€! Dazu Spritgeld (reichlich) und nach knapp 90 Minuten rollt Elenore wieder. Das war jedenfalls deutlich besser als selber reparieren.

Dann geht es holprig aber zügig voran. Beim nächsten Tankstop begeben wir uns in die benachbarte Gaststätte (Cafe heißen die hier) und gönnen uns ein leckeres Abendessen (1l Cola für den Zuckerhaushalt, jeweils ein Schaschlik dazu Salat – alles für knapp 8€) – großartig, dieses Land schont die Reisekasse. Draußen an den Motorrädern treffen wir auf eine Gruppe älterer Kasachen. Natürlich wird es nix mit sofort losfahren. Es wird kurz geplaudert und dann kommt es – wir sollen mit reinkommen, das Familienoberhaupt will uns zum Essen einladen. Wirklich schweren Herzens müssen wir ablehnen, denn wir sind ja gerade erst satt dort hinaus gekommen. Sichtlich enttäuscht lässt er uns gehen – wir hoffen dass er verstanden hat, das wir einfach nur richtig satt waren!

Kurz vor dem Tengiz- See wird es dann spät. Wir schaffen die 90km Schotter nicht mehr ganz und bauen unser Zelt am Wegesrand unter einer Baumgruppe auf. Feierabend nach einem ereignisreichen Tag.

Mittwoch, 07.06.2017,  177 km, 6277 gesamt

Als wir gestern das Zelt aufbauten war starker Wind. Der Wind war derart stark, dass erneut eine Zeltstange brach. Das gute alte Tatonka Alaska II Zelt hat ja schon viel mitgemacht und so sind die Zeltstangen nicht mehr die neusten – das war uns klar und deshalb haben wir Ersatzelemente dabei und können die kaputten jeweils austauschen. As wir dann im Zelt lagen, hörte der Wind auf und Millionen von kleinen Fliegen und Mücken belagerten unser Innenzelt von außen. Haha!  Rein kommen sie nicht!! Wir waren bester Dinge, bis der erste pinkeln musste!

Was für ein schlecht gewählter Zeltplatz – im hohen Gras – unter Bäumen!

Das Abbauen am nächsten Tag war die Hölle. Die Biester flogen in Augen, Ohren und die Nase – ein atmen und /oder reden war kaum möglich. Wir sahen einfach nur noch zu, dass wir weg kamen! Erst auf der freien Steppe im Wind haben wir angehalten und zähne geputzt – vorher wäre nicht dran zu denken gewesen.

Danach geht es zu dem kleinen Ort Qorghalzhyn. Hier gibt es ein Infozenter für Naturliebhaber. Das Zentrum ist sehr informativ und liebevoll aufgebaut. Eine junge Frau, die hervorragend englisch spricht führt uns herum und erzählt viel über dieses größte und älteste Schutzgebiet von Kasachstan.

Nach einem Brunch geht es weiter Richtung Astana. Hier ist er Grund unserer Reise – wir wollen die EXPO besuchen. Im Vorfeld hatten wir unter anderem Kontakt mit dem Bundeswirtschafts-ministerium aufgenommen. Dort wurden wir im Dezember total freundlich empfangen und im weiteren Verlauf eingeladen im EXPO-Village als Gäste des „Deutschen Pavillon“ zu wohnen. Welch ein wunderbares Angebot. Als wie heute auf das Expogelände zurollten hat uns Herr Kalynyak bereits erwartet und gewunken. Wir erhielten unsere Akkreditierung und konnten einziehen – fußläufig neben dem EXPO-Gelände, in einer schönen Wohnung, in einem Areal mit allen internationalen Beschäftigten der EXPO – das lässt auf eine klasse Zeit hoffen.

Nach einer Dusche – die dringend nötig war – sind wir auch gleich auf das EXPO-Gelände. Wow – hier wird noch ganz ganz heftig gearbeitet, am Samstag ist die Eröffnung!. An allen Ecken wuseln Handwerker, Betreiber der Pavillons und Sicherheitskräfte gleichzeitig. Volunteers werden eingearbeitet, Abläufe mit „Statisten“ geprobt und und und…… Mittendrin nimmt sich der Leiter des Deutschen Pavillons, Herr Schmitz vom BMWI die Zeit und zeigt uns den „Deutschen Pavillon“ zum Thema „Energie der Zukunft“. Dabei lernen wir auch viele der handelnden Personen und ihre Aufgaben kennen – es ist weit mehr als nur eine einfache Ausstellung auf die Beine zu stellen. Wir sind begeistert. Man spürt wirklich, dass hier ein tolles Team mit viel Liebe zum Detail einen faszinierenden Pavillon erstellt hat, der das Thema trifft, einen mitnimmt und begeistert – gleichzeitig aber auch unsere Heimat – Deutschland in allen seinen Facetten – repräsentiert. Wir freuen uns nach dem Rundgang wahnsinnig darauf diesen Pavillon – und die der anderen Länder – im Betrieb bestaunen zu können. Wir sind uns schon jetzt ganz sicher – das wird eine tolle Erfahrung.

Donnerstag, 08.06.2017 - 0 km

Letzten Montag hatten wir Olzhas und seine Brüder im Nationalgebiet Burabay, ca. 400 km nördlich von Astana kennengelernt. Olzhas hatte uns auf einen Tee zu seiner Tante nach Astana eingeladen und wir hatten zugesagt. Also blieben wir per WhatsApp in Kontakt und Olzhas und der 13jährige Adelhan holten uns am späten Nachmittag vor dem Expovillage mit dem Auto ab und fuhren mit uns zu dem ca. 30 km entfernten Haus der Tante Gulnar.  Gulnar ist Englischlehrerin in Astana.

Als wir dort ankommen werden wir herzlich von der großen Familie (Oma, Kinder, Brüder…) empfangen. Gulnar führt uns zu einer Blockhütte hinter dem Haus. Sie sagt, dass es in ihrer Kultur Usus ist Gästen, die eine lange Reise hinter sich hätten, das „Badehaus“ anzubieten. Bei der Blockhütte handelt es sich um eine Sauna. Wir bekommen Schlappen, HaDi einen Filzhut für seinen Kopf, Handtücher, Duschzeug und Massagehandschuhe zum abreiben. Außerdem erklärt uns unsere Gastgeberin, wie die Sauna funktioniert. Im Prinzip wie man das so kennt, nur das der mit holzbefeuerte Saunaofen gleichzeitig einen Metallbehälter mit Wasser erwärmt, der im Vorraum steht. Daneben steht ein Fass mit kaltem Wasser. Es ist sehr warm – nicht nur in der Sauna selber, sondern auch im Vorraum. Nachdem sie uns alles erklärt hat geht Gulnar mit dem Hinweis, dass wir uns so viel Zeit lassen könnten wie wir wollten, sie würden im Haus den Tee vorbereiten.

Etwas verdutzt, aber durchaus begeistert, ziehen wir uns aus und gehen erst mal in die Sauna. Man hat uns einen dicken Büschel Birkenzweige in Wasser eingelegt. Damit können wir uns abklopfen – das fördert die Durchblutung und ist eine Wohltat für die Haut – insbesondere für unsere gefühlt tausend Mückenstiche (wie sehen beide aus, als hätten wir die Masern). Nach zwei Saunagängen, halte ich es nicht mehr aus – mein Kreislauf spielt verrückt – ich hatte an dem Tag nicht ganz so viel getrunken und die Hitze gibt mir den Rest. Völlig verschwitzt zwänge ich mich in meine Klamotten und gehe erst mal an die frische Luft. Sofort bekomme ich einen Stuhl hingestellt und mehrere Gläser Wasser. Etwas besorgt fragt unsere Gastgeberin, ob alles ok sei. Ich lache und sage, dass ich die enorme Hitze in der Sauna nicht gewohnt sei, aber alles gut wäre. Und das war es auch, nach nur drei Gläsern Wasser normalisierte sich der Kreislauf und meine Gesichtsfarbe wendete sich von dunkelrot in normal. HaDi hielt es deutlich länger aus, aber auch er kam recht mitgenommen – aber erholt - aus dem Badehaus.

Nachdem wir uns was abgekühlt hatten, wurden wir an den Tisch gebeten. Zunächst mal wurde uns Kimiz angeboten: vergorene Stutenmilch. Davon hatten wir bereits gelesen und waren sehr gespannt wie die Milch denn nun schmeckt. So ein bisschen wie dünne, säuerliche Buttermilch. Ungewöhnlich für den europäischen Geschmack – aber nicht unangenehm, oder so. Danach wird der große Tisch zugestellt mit verschiedenem Essen. Man erklärt uns, dass es Bishbazmak gibt. Das bedeutet Fünffinger und bezieht sich darauf, dass man das zu früheren Zeiten mit den Händen gegessen hatte. Es gibt Nudeln und viel Fleisch. Alles vom Pferd. Pferde mögen die Kasachen – als Haustiere zum Reiten, aber auch als Nahrungsquelle. Das Pferdefleisch sei sehr mager und gesund. Dazu gibt es Rohkost. Alles ist sehr sehr lecker und viel zu viel. Als wir völlig satt sind fragt Kanat, der Ehemann der Gastgeberin  ob man abräumen dürfte. Auch das sei Tradition, dass man als Gastgeber nur mit dem Einverständnis der Gäste, den Tisch leerräumen darf.

Danach kommt der Tee. Dazu wird der Tisch erneut mit verschiedenen Süßspeisen reichhaltig gefüllt. Es gibt Pohlavo, ein super leckeres Gebäck gefüllt mit Rosinen und Mandeln / Walnüssen. Samsa, mit Fleisch gefüllte Teigtaschen, Chack - Chack, Brot mit Honig und Kosba – eine Art Gebäck aus Frischkäse. Auch das Naionalgericht Kurt wird gereicht. Das sind kleine Bällchen, die sehr hart sind und nach salzigem Gouda schmecken. Wir probieren alles – rauf und runter. Es schmeckt sehr, sehr gut.

Es ist ein wundervoller Abend bei sehr lieben Menschen. Als der Tee getrunken ist, beschenkt uns Gulnar mit zwei Baseballkappen mit Expo-Zeichen und kasachischen Schokoladensüßigkeiten. Sie erklärt dazu, dass wenn Gäste zum ersten Mal zu Besuch kämen, dann würden die Gastgeber die Gäste beschenken, in der Hoffnung, dass sie erneut zu Besuch kommen würden.

Wir sind ergriffen und dankbar für so viel Gastfreundschaft!

Danach fährt uns Olzhas zurück und wir hoffen, dass er oder seine Familie eines Tages uns besucht, dass wir ein bisschen von der Liebenswürdigkeit zurückgeben können.

ASTANA

Im Zentrum der Steppe Sary Arka liegt die kasachische Hauptstadt Astana. Es kann durchaus als symbolischer Akt verstanden werden: Ein Volk, welches aus der Steppe stammt entscheidet sich für eine Hauptstadt in der Steppe.

Wir kommen aus Richtung Westen durch die Steppe auf Astana zu. Die Stadt erhebt sich wie eine Fata Morgana und noch 2 km vor der Stadtgrenze treibt ein Hirte auf seinem Pferd eine Kuh-Herde von der Straße weg. Kommt man in die Stadt, ist es ein Wechsel, der nicht zu verstehen ist. Alles glänzt und ist hochmodern. Die Skyline von Astana ist unvergesslich!

Was für eine Stadt! Die Innenstadt liegt zwischen dem Bajterek ( der silbern scheinende „Turm“ mit dem großen goldenen Ball in der Mitte oben) und dem Palast des Präsidenten Nazarbajev. Sie liegen ca. 3 km voneinander entfernt – dazwischen eine Flaniermeile.

In Astana gibt es die größte Moschee Asiens, die größte katholische Kirche Asiens und das größte jüdische Gebetshaus Kasachstans ist ebenfalls hier. Die Religionen leben friedlich nebeneinander und es scheint das normalste der Welt zu sein, dass man seiner Religion nachgeht, während der Nachbar, Freund oder Verwandte einer anderen Religion nachgeht. 2006 wurde der Palast des Friedens und der Einheit fertiggestellt. Es ist eine gläserne Pyramide in der der Präsident alle zwei Jahre die Vertreter der großen Weltreligionen einlädt, so dass man sich austauschen kann.  Ebenfalls beeindruckend ist der Khan Schatyr (Zelt des Khans). Ein riesiger, zeltförmiger Kegel. Es ist ein Erholungszentrum, welches gerade auch in den harten Wintern ein wohltemperiertes Freizeitdomizil bietet.

EXPO 2017 - Future Energy

Eigentlich neben Kasachstan der Hauptgrund für unsere Reise. Wir wollen die EXPO besuchen. Im Jahr 2000 waren wir von der EXPO in Hannover begeistert und hier nun konnten wir auf dieser reise zwei tolle Dinge miteinander verbinden.

Die EXPO ist nicht nur eine wunderbare Zusammenstellung der vielen Kulturen, sie hat auch ein überaus interessantes Thema - "Future Energy". Wir sind sehr gespannt wie diese Dinge rüber kommen.

An erster Stelle stellen wir natürlich den deutschen Beitrag vor. Das Konzept und die Umsetzung hat uns von Anfang an mitgenommen. Hier ein paar Bilder nach unserem Rundgang durch den deutschen Pavillon.

Die EXPO ist ein Erlebnis. Zunächst hatten wir die große Freude an der Eröffnung des deutschen Pavillons teilzunehmen. Heute (Samstag, 10.06.2017) war ja offizieller Eröffnungstag. Und wie es sich gehört wurde der deutsche Pavillon pünktlich um 09:25Uhr offiziell eröffnet. Und dass sich Deutschland wirklich hervorragend und vorbildlich präsentiert ist ja zu erwarten und wird meiner Meinung nach mit den obigen Bildern auch sehr deutlich. Tatsächlich ist er in „LIVE“ noch viel besser!

Den weiteren Tag widmen wir den anderen Ländern. Hier werden an vielen Ecken die Unterschiede doch sehr deutlich. (Wir haben am ersten Tag nicht alle gesehen!!!!) Gibt es neben Deutschland noch einige schöne Pavillons (z.B. Polen und die Schweiz), so gibt es eher durchschnittliche aber auch wirklich schlechte Präsentationen. ZU den guten zählen wir all diejenigen, die es geschafft haben uns sowohl für das Thema als auch für das Land zu begeistern. Die durchschnittlichen schaffen es meistens sehr gut ihr Land darzustellen – lassen aber oftmals die Nähe zum „Energiethema“ vermissen oder faszinieren uns einfach nicht. Die Schlechten sind total „Nichtssagend“ – da hilft auch eine geile Musik mit Liveband nicht wirklich weiter. Uns wird vor allem deutlich, dass bei Weitem nicht alle fertig geworden sind – was mal an den Ländern selbst, mal an der hiesigen Organisation liegen mag. Später erfahren wir von einer Firma, dass sie noch ca. 60 Container im Zoll stehen hat, so dass viel Material noch nicht angeliefert wurde. Aber: Egal – denn die Stimmung und das allgemeine Bild ist total Klasse.

Am Nachmittag endlich eröffnet auch der Pavillon von Kasachstan – die große Kugel im Zentrum des Ausstellungsgeländes. Schon erstaunlich, dass der Ausrichter selbst nicht ganz pünktlich ist. Aber im Inneren der großen Kugel haut es einen um – sie ist wirklich großartig und Kasachstan präsentiert sich selbst und das Thema brilliant- Wir verbringen über 2 Stunden in der Kugel und haben ganz viel Spaß dabei.

Dienstag, 13.06.2017, 447km - Gesamt: 6789km

Kurzer Nachtrag zu gestern….wir waren sehr lecker essen mit Severi Keinälä und seiner Frau Lori. Er ist der Chef vom finnischen Pavillon und nach Astana mit seiner Crosstourer angereist. Nach der EXPO wird er in 2 ½ Monaten nach Bali weiter fahren – geile Tour, toller Typ und schöner Abend im Alibaba.

Ansonsten sind wir nun wieder unterwegs um den Rest dieses Riesenlandes kennen zu lernen. Wir wollen nicht direkt nach Almaty düsen sondern über den Osten und seine vielen Nationalparks anreisen. Ist zwar weiter, erspart andersherum aber viele mühselige Tagestouren von Almaty aus (eigentlich eh nicht jeweils an einem Tag zu schaffen). Unser erster STOP soll im Nationalpark von Qarqaraly sein. Allerdings kommen wir etwas später los als geplant, die Ausfahrt aus Astana zieht sich wie Gummi und an die Geschwindigkeitsbeschränkungen sollte man sich auch halten – 66km/h bei erlaubten 50km/h kosten nämlich angeblich 100€ - allerdings haben die Beamten es nicht auf eine entsprechend aufwendige Anzeige abgesehen, sie fordern ziemlich aufdringlich eine Cash-Erledigung ohne Quittung!

Zuerst kommen wir in Qarakhandy vorbei, ein geschichtsträchtiger Ort, denn in dieser Gegend gab es bis zu 1Millionen Zwangsarbeiter, Verschleppte und Kriegsgefangene. Die Stadt war und ist das industrielle Zentrum Kasachstans. Außen herum ist es „Potthäßlich“ mit rauchenden Industrieriesen, Industriebrachen und allem möglichen Dreck, Ruinen etc. Im Stadtzentrum ist es dafür erstaunlich hübsch und wir genießen einen wunderbare und erholsame Mittagspause. Der Wirt macht noch Fotos von uns und schenkt uns zum Abschied noch zwei  flaschen eiskaltes Bier. Die sollen uns später noch gute Dienste leisten – wenn auch dann pi…. warm.

In Qarqaralay ist die Natur traumhaft, die Stadt steht dazu eher im Kontrast. Leider ist es schon zu spät und wir können nicht mehr in den Park mit den bewaldeten Granitbergen hinein wandern. Auf der Suche nach einem Hotel hilft uns Beatrice, eine ganz liebe Kasachin, die wir am Krankenhaus kennen lernen (Wir hatten gedacht es sei ein Hotel). Mitten in den Verhandlungen mit einem Hotel malt sie ein kleines Haus auf ein Blatt Papier und verdeutlicht mir, dass sie uns sehr gerne einladen würde bei ihr zu wohnen. Ich verstehe, dass ihr Vater derzeit nicht da ist und deshalb reichlich Platz im Haus sei. --- Falsch verstanden --- Ihr Vater lebt wohl mittlerweile in Astana bei einer anderen Tochter und wir bekommen die Couch im leerstehenden Haus.  Sie macht uns Abendessen. Es gibt eine Suppe aus Kartoffeln und Nudeln. Die insgesamt vier Fleischbällchen werden auf HaDi und mich verteilt – ich bin gerührt und gleichzeitig beschähmt.  Wir verbringen noch einen schönen Abend mit der kompletten Familie. Ich meine es wären drei Erwachsene und 9 Kinder gewesen. Das Highlight des Abends ist ein Ständchen der Tochter – Chanselysee – auf französisch – ganz toll vorgetragen!

Danach gehen wir in unser Haus und freuen uns über das Geschenk vom Wirten! Fotos schauen!!!

Mittwoch, 14.06.2017, 252km – Gesamt: 7041km

Nach dem Frühstückstee geht es los. Es steht eine Etappe von etwa 750km quer durch die Steppe an. Aber wir sind guten Mutes, das Wetter ist grandios, die Straße toll, der Tank voll – was soll schon passieren?

Na genau das was für Kasachstan typish ist. Nach knapp 30km wird aus Asphalt plötzlich Schotter, gruseliger Schotter, der von 100ten von LKW zu Grunde gefahren wird. Wir wissen nicht warum, aber auf dieser Straße werden Tonnenweise Steine in beide Richtungen transportiert.

Zunächst hoffen wir noch, dass es nur ein kurzes Verbindungsstück zwischen zwei Firmen ist ….. nein, wir erfahren, dass es wohl sehr sehr lange so bleiben soll. Na denn – ich gebe es zu, Julia schlägt sich tapfer, ich habe keinen Bock auf dieses endlose Gerappel und schiebe eine moralische Krise vor mir her. In einem kleinen Dorf finden wir am Nachmittag auch noch Sprit und einen Ersatzkanister, denn 400km sind kaum drin ohne diese Notration. Dafür ist der Zeltplatz mitten in der Steppe einfach nur toll – nix um uns herum außer Gras! So genießen wir einfach den Moment und lassen die Strapazen langsam abklingen – bevor es morgen weiter geht.

Eine Frage an erfahrene Reisende – wisst ihr was passiert, wenn ein Glas löslichen Kaffee zu sehr geschüttelt wird????? – Wir wissen es jetzt, nachdem wir unseren Proviant- und Kochgeschirr-Koffer geöffnet haben.

 

Donnerstag, 15.06.2017, 288 km – Gesamt 7329

Nach einer wunderbaren Nacht in der kasachischen Steppe wachen wir erholt auf und versuchen aus den Resten des Kaffeepulvers Kaffee zu kochen – er schmeckt grausam und wir schütten ihn weg. Dann geht es halt ohne Frühstückskaffee los!

Die ersten ca. 20 km fahren sich toll. Dann kommt endlich die Mine, zu der ( von der) die LKW fahren. Danach sehen wir keinen LKW mehr und fahren alleine bei bereits 37 Grad ( 10:00 Uhr) über den Schotter/Dreck. Nachts hatte es teilweise stark geregnet und wir fahren auf eine Senke zu, in der das Wasser noch in großen Pfützen steht. HaDi fährt vor und ich sage noch: “Pass auf, das ist bestimmt glitschig“, als Ha Di eine vermeintlich gute Stelle ganz rechts am Fahrbahnrand gefunden hat. Leider hat der Regen nicht nur die Fahrbahn, sondern auch die Böschung daneben aufgeweicht, was einen großen Riss / Spalt in der Fahrbahn verursacht hat. Das Vorderrad schlägt nach links und damit in den tiefen Matsch hinein. Nur Sekundenbruchteile später liegt HaDi samt den Motorrad auf der rechten Seite im tiefen Lehmschlamm. Ihm ist zum Glück nichts passiert – deswegen werden erst Fotos gemacht und dann das Motorrad aufgehoben. Die rechte Satteltasche ist aufgeplatzt und halb abgerissen. Nachdem wir das Motorrad aus dem Schlamm geschoben haben, bin ich dran. Wir entscheiden uns für die linke Fahrbahnseite und fahren absichtlich durch die Vegetation, um diese Schmierseife etwas griffiger zu machen. „Fahren“ ist übertrieben! Ich füßle mein Motorrad im ersten Gang, während HaDi von hinten mithilft es in der Waage zu halten. So komme ich unbeschadet hindurch. Danach geht’s weiter um nach ca. 300 Meter an eine vergleichbare Stelle zu kommen. Das bedeutet wieder anhalten, eine fahrbare Spur finden und langsam hindurch zu kriechen. Das passiert so ca.5-6 Mal und so sind wir bereits vor Mittag völlig fertig und durchgeschwitzt. Was für ein Kraftakt! Und alles ohne Frühstück/Kaffee.

Als wir Mittags irgendwo im Nirgendwo haltmachen und eine bereits seltsam aussehende Salami mit Brot essen, kommt aus dem Nichts ein Hirte auf einem Pferd vorbei. Wie der plötzlich auftauchen kann, obwohl man rundum den Horizont sehen kann, ist uns schleierhaft. Er spricht russisch und kasachisch und ich bekomme irgendwie heraus, dass er Schafe beaufsichtigt, die für unser Auge bereits nicht mehr erkennbar sin (also recht weit weg grasen). Er erzählt viel, was ich nicht verstehe und ich erzähle ihm viel, was er nicht versteht. Aber wir sind beide zufrieden und glücklich damit. HaDi ist weniger glücklich, denn er sieht, dass der Sturz nicht ohne weitere Folgen geblieben ist, der Kofferträger ist an einer Stelle auseinandergegangen, da eine Schraube abgerissen ist. So ein Mist!

Wir schenken dem Hirten eine kleine Flasche Spreewälder Kräuterschnaps und verabschieden uns.

Danach geht es weiter und wir freuen uns, dass die Piste immer besser wird, bis sie vor der Stadt Ayagöz wieder zur Asphaltstraße wird. Auf der schmilzt allerdings der Teeranteil und macht alles ziemlich schmierig – aber alles ein Kindergeburtstag zu dem Fiasko vom Vormittag! In Ayagöz gönnen wir uns das beste Hotel am Platz und buchen uns in der Luxussuite des Hauses ein. Drei Zimmer und eigenes Bad mit richtiger Toilette!!! Wer hat, der hat 14€)!!

Die gute Laune und die Aussicht auf ein kühles Bier in der Sonne wird jäh unterbrochen, da HaDi weitere Colleteralschäden an seinem Motorrad feststellt: Fazit der 300km Schotter inclusive Sturz – 3 abgebrochene Schrauben, eine mitten durch gebrochene Strebe des Kofferträgers und eine ausgebrochene Halterung am Rahmen seiner Twin – der linke Koffer (also nicht der auf dem das Motorrad lag) wurde noch von genau einer Schraube gehalten, nämlich der russischen Schraube von Toyota-Perm ?

HaDi fragt einen netten Jungen an der Rezeption, ob er jemanden mit Schweißgerät kennt – na klar doch….und der ist auch noch mit seiner kleinen Werkstatt in einem Nebenraum des Hotels. Nach 2 Stunden ist fast alles wieder gerichtet und geschweißt, das letzte Problem, erneut eine Schraube ausbohren scheitert am fehlenden Bohrer unterhalb von 15mm.

 

Freitag 16.06.2017, 302 km – Gesamt 7631

Man merkt, dass diese Art zu reisen an den Kräften zerrt. Wir haben gestern zusammen 10 Liter Wasser, einen Liter Pepsi und 4  Liter Bier  getrunken und mussten so gut wie nicht pinkeln. Ich habe einen Wahnsinns Hunger auf Salziges. Wenn man sich mein T-Shirt anschaut erklärt sich das auch.

Am nächsten Morgen geht es los über geteerte Straßen bis an den Alaqol-See. Wir sind nun 50 km von der chinesischen Grenze entfernt und am östlichsten Punkt unserer Reise. Auf dem Weg hierhin haben wir erneut an einer Autowerkstatt angehalten und einen Bohrer zu finden, der die abgebrochene Schraube aus dem Rahmen entfernen kann. Sofort kommt ein Mann auf uns zu – er ist in der Werkstatt Kunde und bekommt gerade einen Reifen gewechselt. Er heißt Nikolai und sein Bruder wohnt in Dorsten. Da auch diese Werkstatt keinen Bohrer hat, lotst er uns quer durch die Stadt bis wir eine Werkstatt finden, die einen Bohrer hat. Nach ca. einer Stunde war das Problem gelöst. Als Ha Di zahlen will, zieht in ein Mann weg und der andere dreht sich um. Auf keinen Fall! Das ist Kasachstan! Sagt einer. Hier hilft man Gästen!

Und nun sind wir im Aquamarin Resort am besagten See. Der Namen ist Programm, denn das Wasser des Sees ist absolut klar und leicht salzig. Es soll besonders heilende Wirkung haben und Menschen mit  zum Beispiel Neurodermitis berichten, dass sie hiernach nachhaltiger Erleichterung finden als nach einer Kur im toten Meer.

Es ist wunderschön hier - leider haben wir etwas Pech mit dem Wetter – der Himmel ist wolkenbehangen – aber es ist weiterhin sehr warm.

Sonntag/Montag, 17/18.06.2017 – 359km+253km, Gesamt: 8243km

Der heutige Sonntag war eigentlich als ruhiger Reisetag geplant. Unser Ziel sind die „singenden Sandddünen“ im Süden, in der Nähe des Qapshagany-Stausees. Die 700km sind für einen Ritt deutlich zu lang und so wollten wir möglichst bis Taldyqorghan. Zunächst läuft es auch. Die Landschaft ist wie immer sehr interessant und es gibt sogar eine durchgehend asphaltierte Straße. Die regelmäßig auftretenden Schlaglöcher und Bodenwellen  nehmen wir mittlerweile gelassen hin. Aber nach etwa 100km höre ich im Helm nur diese Worte: „HaDi, dein linker Koffer hängt irgendwie komisch….“ – Ich hätte in diesem Moment die ganzen Brocken hinschmeißen können. Die kunstvoll zusammengeschweißte Strebe war erneut abgebrochen. Das Konstrukt aus Ayagöz hat nicht lange gehalten und wir sind nun in einer 500-Seelen-Dorfgemeinde – wo bitte soll ich das repariert bekommen. Aber eigentlich sollte ich mir diese Gedanken hier nicht machen. Natürlich hält nach wenigen Augenblicken ein zunächst neugieriger – dann hilfsbereiter – Bewohner und lotst uns zu einem ehemaligen Bauernhof mit alleinstehendem älteren Herrn, der wohl ein Schweißgerät hat. Nicolay nimmt sich sofort des Trägers an und grummelt, erklärt und misst mit einer Schieblehre hin und her, sucht in seinem Fundus nach Metallresten und versucht mir seine Gedanken zu erläutern – das klappt nur rudimentär….jedenfalls trennt er kurzerhand das Endstück komplett ab und bastelt eine komplett neue Aufnahme – schaut auf die Bilder, die sagen mehr als meine Worte. Nach der Arbeit gibt es noch Tee und dann sind wir wieder unterwegs und schaffen tatsächlich noch recht früh unser Tagesziel.

In der schönen Stadt Taldyqorghan finden wir schnell ein günstiges Hotel und beim Rundgang ins Stadtzentrum auch ein nettes Restaurant mit einheimischer Küche. Nach drei großen Bier bin ich ziemlich angetrunken und fertig fürs Bett – der Stress und die Hitze zollen ihren Tribut.

Am nächsten Morgen wollen wir weiter über Nebenstraßen zur Düne fahren. Im Reiseführer wir die Straße als eine der schönsten Kasachstans beschrieben. Und wirklich, sie ist traumhaft. Durch grüne fruchtbare Landschaften, kleine Dörfer und immer begleitet von Blicken auf die über 3000m hohen schneebedeckten Berge. Das Best aber: gute 50km der Straße sind nagelneu, kurvenreich und  geil zu befahren – wir können die Mopeds zum ersten Mal in Kasachstan so richtig schön rollen lassen.

Nach der Straße folgt der Altyn-Emel-Pass auf 1700m Höhe. Auch hier das gleiche Erlebnis. Tolle Natur gepaart mit einer recht guten Straße – was will man mehr? Eine Straßenküche – die wäre jetzt gut, haben sie uns doch in Mittel- und Südamerika so gut versorgt – hier sind sie selten. Aber heute scheint das Glück perfekt und wir finden auch diese. Es gibt frischen Schaschlik und dazu Teigtaschen (Brot) gefüllt mit Fleisch und Zwiebeln – diese werden an der Innenwand eines riesigen Backofens zubereitet und sind super lecker.

Am Ende des Tages wird es dann erwartet schwieriger. Knapp 50km Offroad zur Düne stehen an. An der Schranke angekommen (schon einige km im Offroad-Bereich) schickt man uns 10km zurück um die Tickets zu kaufen. Die gibt es in einem versteckt liegenden Büro der Parkverwaltung. Nach mühsamen Verhandlungen mit einem missmutigen und unfreundlichem Parkverwalter bekommen wir das Ticket. Campen ist ebenfalls erlaubt, jedoch nicht neben der Düne sondern etwa 10km vorher bei einem weiteren Parkwächter.

Die Piste ist gruselig- Waschbrett und weicher Schotter wechseln sich ab. Ich hab Sorgen um meinen lädierten Kofferträger – aber irgendwie klappt es in knapp zwei Stunden zur Düne zu gelangen. Leider hat sich in unserem Rücken ein heftiges Gewitter zusammen gebraut, so dass der Aufstieg auf den 180m hohen Sandkasten als Marsch durch ein Sandstrahlgebläse entwickelt. Es raubt einem die Luft und der Sand klebt am verschwitzten Körper und besonders gerne in Haaren, Ohren und Nasenlöchern. Egal – wir haben es geschafft.

An der Düne treffen wir auf ein deutsches Paar, Max und Isabell – sie haben zwei Führer  (Kosta und Tai..    ) mit Fahrzeug gebucht und wie sich herausstellt werden sie auch beim Ranger zelten. Der Abend wird mit gemeinsamem kochen und vielen interessanten Reiseberichten und Geschichten zu Kasachstan verbracht. Es gibt Nudeln in Tomatensauce (unser letzter Rest) und eine Art Graupen mit Pferdefleisch vom kasachsischen Koch (naja, er erzählt, dass er zum allerersten en Mal kocht, zu Hause sind dafür Freundin oder Mutter zuständig.)

In der Nacht ziehen die Ausläufer des Gewitters auch über unser Camp und leichter Regen fällt – wahrscheinlich kein Problem für den Rückweg.

Dienstag, 19.06.2017, 453km – Gesamt: 8696km

Wir brechen früh auf, um der Hitze des Tages zu entgehen. Die Piste ist feucht und trotz Regen ganz gut zu befahren – bis etwa 5km vor dem Schluss. Hier hatten wir auf den Anfahrt schon das Gewitter im Nacken – jetzt sind die Folgen unübersehbar. Die Straße hatte sich wohl als Flusslauf erwiesen und war jetzt zwar größtenteils wieder trocken, durch den Regen und Wasserlauf komplett zerstört und völlig aufgeweicht. Tiefer Sand mit Wasserrillen lagen vor uns. Mit viel Kraft kämpfen wir uns durch und sind heilfroh das Ende zu erreichen. Was für ein Glück, dass das nur auf den letzten Kilometern so war – über die gesamte Strecke so einen Zustand und wir wären nie wieder aus dieser riesigen Sandgrube heraus gekommen.

User heutiges Ziel ist der Sharyn-Canyon. Ein Canyon der von den Einheimischen gerne mit dem Grand Canyon verglichen wird, diesem Vergleich aber ganz sicher nicht standhalten kann. Wir kommen zunächst an einen kleinen Seiten-Canyon, de Temirlik-Canyon. Dieser ist von einem sehr ursprünglichen und seiner Art einzigartigen Wald bewachsen. Er ist von oben schön anzusehen, leider ist auch hier die „Dame“ am Gästehaus hochgradig unverschämt und wir beschließen ihr heute keinen Verdienst zukommen zu lassen – das müssen einige wohl noch lernen. Wenn man Geld verdienen will, muss man freundlich sein!

Auf dem Weg zum eigentlichen Canyon ändern wir unsere Reisepläne. Zum Einen sind wir ziemlich kaputt, der Sand vom Vortag klebt und scheuert überall, auf Schotter haben wir nicht wirklich Bock drauf und das Wetter entwickelt sich sehr negativ. 875 Hektopascal meint die Kamera – das bedeutet wirklich nichts Gutes und die Wolkenformation bestätigen dies. Das Gewitter wird wohl wieder heftig und hängt genau über dem Canyon.  Wir werden also weder hinein wandern können und schon gar nicht hinein fahren können, ohne Gefahr zu laufen dort nicht mehr hinaus zu kommen. Also biegen wir ab in Richtung Almaty, nehmen einen langen Ritt in Kauf und werde diese Stadt nun einen Tag länger genießen können.

Im Hotel treffen wir auf Thomas, Steve und David. Sie sind seit April mit zwei Twins und eine Yamaha XT unterwegs und kommen gerade aus Kirgisistan an. Wir hatten bereits versucht uns in Köln vor der Reise zu treffen – hier nun klappt es und der Abend wird recht lang und gesellig……

ALMATY

Wir bleiben drei Nächte hier und haben so die Zeit die Stadt genauer zu erkunden. Julia trifft sehr schnell eine Entscheidung: Ihr gefällt Astana besser – wegen der umwerfenden Skyline und der modernen Architektur. Ich bin da unentschieden und finde beide Städte sehr attraktiv. Insbesondere gefällt mir, dass Almaty so grün ist. Ich kenne keine Stadt die wirklich nahezu alle! Straßen begrünt hat, die Straßen haben breite Gehwege und an jeder dritten Straßenecke findet man große oder kleiner Parks mit riesigen uralten Bäumen. Toll. Ich lese, dass das auch absolut notwendig ist, denn ansonsten wäre es hier vor Hitze nicht auszuhalten. Um die kühlende Wirkung der Luftströme zu verstärken ist die Stadt angeblich bewusst in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet, damit die kühlen Winde aus den Bergen besser für Abkühlung sorgen können.

Am zweiten Abend fahren wir mit einer Seilbahn auf den nahegelegenen Hausberg. Hier ist ein Vergnügungsviertel, welches sehr stark besucht ist. Aber von dort erkennt man auch schnell das Problem von Almaty – eine dicke Dunstglocke hängt über der Stadt. Angeblich soll Almaty zu den 10 dreckigsten Städten (Luftverschmutzung) der Welt gehören. Bei so viel grün überrascht das schon. Dennoch war der Sonnenuntergang faszinierend!

Am Donnerstag zieht es uns zunächst hoch ins nahegelegene Skigebiet – es geht hoch auf über 3000m und wir haben einen schönen Blick auf das Bergmassiv und die Stadt. Wow! Insbesondere die Mittelstation der Bergbahn ist super ausgebaut und lässt erahnen wie schön es hier im Winter ist. Aber auch im Sommer lässt es sich hier sehr gut leben und einen kleinen Mittagsdrink zu sich nehmen. Leider hat das Skigebiet bisher nur 20Pistenkilometer, aber der Ausbau geht wohl voran – sehr leicht erkennbar ist die österreichischer Unterstützung – das wird dann wohl bald viel größer. Für den Abend haben wir uns dann ein besonderes Erlebnis gegönnt – wir besuchen das riesige und uralte Badehaus. Wir hatten in unserem Lieblingsdoku „Long Way Round“ schon erleben dürfen wie es dort zugeht und jetzt genießen wir selber russische/kasachische Saunakultur verknüpft mit asiatischen Massagetechniken. Julia ist zufrieden aber nicht ganz so angetan wie ich – ich finde es fantastisch und fühle mich nach Eichenzweigschlägen und „Eastern-Massage“ wie neu geboren. Übrigens weiß ich jetzt auch warum Russen gerne Mützen in der Sauna tragen – der Ofen in einer russischen Sauna ist so riesig (3m hoch und 2m breit) und wenn der Saunameister die Stahltüre öffnet um größere Mengen Wasser zu verdampfen, dann qualmt die Schädeldecke.

Donnerstag, 22.06.2017, 518km - Gesamt:9214km

So, jetzt verlassen wir Almaty wieder! Bevor wir die Stadt verlassen, tanken wir noch und kaufen im Freerider Hostel noch schnell eine Dose Kettenspray für umgerechnet 12,50 Euro.

Und danach fahren wir und fahren wir…. Immer weiter durch beeindruckende Steppenlandschaften. Links das Tien Shan Gebirge, welches bereits in Kirgisistan liegt. Leider ist das Wetter leicht diesig und deshalb nicht zu fotografieren. Überhaupt fahren wir über Kilometer direkt am Grenzzaun vorbei bis nach Taraz rein. Als wir ankommen, stellen wir fest, dass das die längste Fahrstrecke war, die wir bislang gefahren sind. 518km!

Völlig verschwitzt finden wir ein recht teures B&B, welches allerdings sauber ist und einen sicheren Hinterhof und gutes Wifi hat. Mein altes Elenörchen zickt immer häufiger. Sie wird wieder ungewöhnlich heiß, kühlt schlecht ab und ruckelt teilweise beim Gas geben. Irgendwas stimmt nicht. Und so verbringen HaDi und ich den Abend beim Motorradschrauben. Dabei trinken wir kühles Dosenbier und schwitzen bei fast 40 Grad. Eine Horde Jugendliche schaut uns zu und probiert die in der Schule erlernten Englischkenntnisse aus. Das ist die Gelegenheit unsere Haribovorkommnisse etwas abzubauen – denn für Kinder/Jugendliche waren sie ja gedacht. Die Kiddies freuen sich und helfen beim Motorradschrauben indem sie die Hilo Aufgaben übernehmen, für die ich normalerweise zuständig bin. Schnell finde ich den Fehler – der Luftfilter ist völlig verdreckt. HaDi nimmt ihn und kommt ca. 15 min später zurück – er hat jemanden gefunden, der einen Kompressor hat und so habe ich nun einen recht sauberen Luftfilter, der schnell eingebaut ist. Dabei noch eine Schraube an der Sattelbefestigung ersetzen – die alte hatte sich losgerappelt. Dann noch ein Schluck Öl nachfüllen und meine Elenore fährt sich am Folgetag wie ein neu.

Freitag, 23.06.2017  380km – Gesamt 9594km

Erneut ein fahrerisch sehr attraktiver Tag – die Landschaft ist zum Niederknien. Heute fahren wir „nur“ 380 km. Allerdings fahren wir verschiedene Sehenswürdigkeiten an.

Aisha Bibi – War die Braut von Karachan. Er war der Herrscher von Taraz. Der Vater der Braut hatte die Ehe verboten. Trotzdem verlobten sich die beiden heimlich.  Nach langem getrennt sein entschied sich Aisha trotzdem zu ihrem Mann nach zu reisen. Kurz vor Taraz hat sie sich hübsch gemacht für ihren Verlobten und wurde dabei von einer Schlange gebissen. Im Sterben hat ein schnell herbeigeholter Geistlicher die beiden noch vermählt und Karachan schwor nie eine andere Frau an seine Seite zu lassen und zog das auch durch bis er mit 100 Jahre verstarb. Er baute ein Mausoleum in der Aisha Bibi nun ruht. Der Garten mit den Gebäuden ist ein Wallfahrtsort für Verliebte.

Danach ging es weiter nach Otra. Otra ist eine Ausgrabungsstätte. Otra war eine der berühmtesten Städte der Seidenstraße. Es lebten dort über 200.000 Menschen und die Größe und Bedeutung wird heute mit Alexandria verglichen. Ende 1220 wurde Otra von Dschingiskan erobert und zerstört. Wir schauen uns das  das riesige Gelände an und sind dabei die einzigen. Ohne Kontrolle turnen wir durch die Ausgrabungsstätte. In Europa undenkbar. Escheckend sind die erkennbaren Erdschichten die von Tonscherben und Knochenresten durchzogen sind – welche gruselige Geschichte steckt wohl wirklich unter diesem Hügel. Als wir zu den Motorrädern zurückkommen haben wir Durst. Die Sonne brennt vom Himmel und der Sand spiegelt sie zurück. Es ist unbeschreiblich, was wir hier an Flüssigkeitsmengen zu uns nehmen.

Ach: Plötzlich waren sie da und wir haben sie auf unserer Kasachstanreise zum ersten Mal gesehen. Kamele! Und Dromedare! Sie laufen frei umher und nachdem wir die erste kleine Herde gesehen haben, sehen wir immer mehr und mehr. Sie rennen hier überall rum!

Wir fahren bis Turkestan und schauen uns ein Mausoleum und eine Moschee hier in der Stadt an. Hier ist der Geburtsort des sufistischen Islam. Ein auf Güte, Friedlichkeit und Toleranz ausgelegter Islam. Er wird heute noch in Kasachstan gelebt. Das haben wir bereits oft erlebt. Hier ist kein bisschen Fanatismus zu spüren. Die Grabmoschee für Achmed Jassawi befindet sich hier. Er ist rechtmäßiger Nachfolger Mohameds und lehrte hier. Im Jahr 1166 wurde er mit großer Pracht bestattet. Im Jahr 1394 wurde dann das Mausoleum errichtet. Heute ist dieser Platz nach Mekka einer der bedeutendsten Wallfahrtsorte für den Islam. An diesem Ort treffen wir auf zwei junge Fahrradfahrer. Jonathan und Mattes kommen vom Bodensee und wollen bis nach China bzw. in die Mongolei. Welch eine Tour. Uns gruselt schon vor der Steppe von Westkasachstan – aber sie haben es bereits hinter sich gebracht. RESPEKT!

Momentan sitzen wir im Hotel. Hier ist voll Disko – es scheint ein Jugendtreff – die Musik ist ohrenbetäubend und leider klappt das Wifi gar nicht. Naja – irgendwo finden wir schon eins.

 

Samstag, 24.06.2017, 335km - Gesamt:9929km

Ein eigentlich unspektakulärer Reisetag. Nach knapp 60km besuchen wir noch eine weitere Ausgrabungsstätte. Immerhin gibt es hier angeblich unzählige versunkene Städte, die mit den Ereignissen rund um die Seidenstraße, Mongolenüberfälle, Stammesfehden etc. zu tun haben oder einfach einer Änderung der Flussläufe zum Opfer fielen. „Sauran“ ist schon von der Hauptstraße aus zu sehen – so mächtig ragen die Mauerreste aus der Steppe heraus. Das Real ist ein Oval von 800mx550m und war Handelsknotenpunkt der Seidenstraße im 13.Jh.. Leider ist bei den Restaurierungsarbeiten das große Stadttor selbst eingebrochen – es war das letzte dieser Art. Jedenfalls beeindruckend wie solch riesige Städte untergehen und im Sand verschwinden und mit welch geringen Mitteln hier versucht wird die Reste wieder auszugraben. Durch Zufall hält hier auch ein älteres Ehepaar aus Frankreich mit ihrem UNIMOG an – sie haben eine Drohne an Bord und so bekommen wir faszinierende Luftbilder zu sehen.

Am späten Nachmittag kommen wir in Qyzylorda an. Hier sind die Hotelpreise exorbitant hoch (41€ für ein DZ) aber wir müssen hier in Ruhe die Querung der Steppe vorbereiten. Die Suche nach einem leeren Benzinkanister ist schwierig und dauert mehrere Stunden. Egal – wir haben einen und hatten am Ende ein tolles Essen auf dem örtlichen Basar. Das wiederum entschädigt für alles durch Stimmung, Flair und Freundlichkeit.

Montag, 26.06.2017, 711 km, Insgesamt: 11.033 km

Der Plan ist, die ca. 90 km bis nach Aralsk zu huschen, da den alten Hafen zu suchen und etwas zu frühstücken. Dann noch Oberkannte Unterlippe volltanken – denn, wenn wir das richtig interpretiert haben, kommt sehr lange keine Tankstelle! So genau weiß das wohl keiner.

 

Alles klappt wie wir es uns vorgestellt haben. Aralsk sieht traurig / gruselig aus mit dem trockengelegten Hafenbecken, den alten Kränen und den Schiffen. Traurig was hier durch falsche Entscheidungen zerstört wurde. Der Aralsee ist nun mehr als 20 km entfernt.

Danach geht es auf den langen Ritt nach Actöbe. Zunächst ist die Fahrt anstrengend, denn starker Seitenwind macht uns das Leben schwer. Aber ab dem frühen Nachmittag wird es deutlich besser. Die Temperaturen sind mit 16-18 Grad erstaunlich tief, das sind wir seit Wochen nicht mehr gewohnt! In 280 km Entfernung finden wir die erhoffte Tankstelle, an der gerade eine Hayabusa, eine Yamaha und eine KTM Adventure stehen. Es sind der Präsident, der Road Captain und ein Member des MC Wheel Brothers Atyrau. Das sind immer schöne Treffen. Nach kurzem Erzählen düsen die Jungs weiter, denn sie wollen heute noch nach Uralsk, was noch viel weiter ist als Actöbe.

Gegen 19:00 Uhr kommen wir an unserem Zielort an und finden das Hostel auf Anhieb. Es ist erst 6 Monate alt und wunderschön. Daneben liegt eine Pizzeria und ein kleiner Supermarkt. Et läuft!

Abends machen wir Homepagearbeit und studieren die Route für den nächsten Tag. Die Straße von Actöbe nach Atyrau ist 610 km lang. Ein bestimmter Streckenabschnitt in der Mitte soll schlecht zu fahren sein, da die Straße sehr alt sei. Keiner kann uns sagen wie lang der Abschnitt ist.

Dienstag, 27.06.2017, 618 km, Insgesamt: 11651 km

Wir fahren früh los – so gegen 08:00h. Die ersten 200 km gehen ganz gut, auch wenn schon zu Beginn die Straße nicht gut ist. An einer Tankstelle treffen wir auf einen Jeep Wrangler mit Nummernschildern aus Nevada USA. Damit unterwegs sind Sophia, Joshua und Ali. Sie wollen die gleiche Straße fahren und haben gehört, dass der schlechte Straßenabschnitt sehr lang sein solle und teilweise so schlecht, dass selbst einspurige Fahrzeuge kaum durchkommen. Das hört sich zwar nicht gut an, aber jetzt sind wir schon mal so weit, jetzt müssen wir da auch durch.

Nach 10 km. Höre ich HaDi rufen „Ich hab‘ was verloren!“ Das Gegengewicht des rechten Lenkergriffs hatte sich losgerappelt, ist auf HaDis Stiefel gefallen und von da aus im hohen Bogen in das tiefe Gras rechts der Straße gehüpft. Trotz sofortigem Stopp und intensiver Suche finden wir das Teil nicht mehr. Das fängt ja gut an!

Was dann kommt, bekomme ich mit Worten nicht beschrieben. Das ist keine Straße mehr. Das ist eine Aneinanderreihung von Schlaglöchern, Verwerfungen, Rissen, Rillen und Steinen. Die Schlaglöcher sind teilweise so groß, dass wir beide Motorräder hätten darin verstecken können. Nach 100 km dieser ehemaligen Straße treffen wir an einem kleinen Restaurant die Amerikaner wieder. Sie haben gehört, dass es 180 km in dem Stil weitergehen soll. Und so ist es dann auch tatsächlich! Fast 300km nichts als Löcher, Dreck, Löcher, Staub, Löcher, Spurrillen, Löcher, Waschbrettkack und Löcher. Wir sind fassungslos. Das ist übrigens keine x-beliebige Nebenstraße, das ist eine der Hauptverbindungsstraßen in diesem Land! An HaDi’s Kofferträger brechen erneut 2 Schrauben, die Gepäckbrücke an seinem Motorrad ist ebenfalls gebrochen, mein Windshield ist aus fast allen Schrauben gebrochen (und das ohne Sturz bislang!) und es fehlt eine Seitenverkleidungsschraube. Ich glaube nach dieser Reise können wir die Motorräder wegschmeißen!

Irgendwie kämpfen wir uns durch. Als die Sonne unter geht sehen wir Atytrau in der Ferne auftauchen. Nach 22:00 Uhr sind wir am vermeindlichen Hostel – es ist geschlossen. HaDi geht los was anderes suchen, während ich bei den Motorrädern bleibe. Es hält ein Mann mit einem Offroader. Er fragt ob ich russisch spreche – nein. Mmhh, er sprich kein Englisch deutet aber an, dass er uns zu einem „Bikerhaus“ schicken möchte. Ich frage ob das ein Hotel sei? Nein kein Hotel – aber er telefoniert. HaDi kommt wieder - in einem weiteren, schäbigen Hostel könnten wir in getrennten Schlafsälen noch jeweils ein Bett bekommen. Nöö nicht nach so einem Tag – ich will ne Dusche und ein Bier! Der Kasache meint wir sollen ihm folgen. Wir fahren ihm nach uns stehen vor dem MC Phantom Atyrau. Zwei Herren mit nacktem Oberkörper kommen heraus – keiner spricht Englisch. Nach langem Hin und Her, soll ich mitkommen. Ich werde durch eine große Halle geführt mit Luxusautos, einer Goldwing und einer GS1200, durch einen Hinterhof, vorbei an großen Hunden, die bei meinem Anblick völlig am Rad drehen in einen überhitzen Schuppen, was wohl das Clubheim ist. Hier können wir schlafen. Einer auf einer Couch, der andere auf einer Matratze. Das ist ein wirklich nettes Angebot, und wäre auch wieder ne lustige Geschichte für die Homepage, aber nach einem solchen Tag geht das wirklich nicht. Ich bedanke mich und lüge, dass das nicht geht, da wir bereits ein Hotel reserviert hätten. Irgendwie versteht man Teile von dem, was ich erzähle. Wir gehen wieder raus. Die Männer sehen enttäuscht aus und wollen uns trotzdem noch irgendwohin lotsen. HaDi hat auch keinen Bock mehr und so fahren wir mit Begleitung los Richtung Stadtzentrum. Mehrfach versucht man uns woandershin zu lotsen, doch wir winken ab und fahren weiter – irgendwann sind wir sie los, als ein Motorradfahrer neben HaDi hält – er will helfen. *heul*

Das ist das unglaubliche in diesem Land, dass man immer Hilfe angeboten bekommt – auch wenn man sie nicht will. Irgendwie werden wir auch den Herrn los, stehen um 00:00 Uhr vor einem Hotel, was nicht unsere Preisklasse ist und buchen uns für zwei Tage ein. Danach gehen wir ungeduscht in den Motorradklamotten runter und trinken Bier. Was für ein Tag!!

Mittwoch, 8.06.2017 - 0km

Nach dem gestrigen Tag wird das Motorrad heute nicht bewegt – Pause ist angesagt! Außerdem ist es wohl der letzte Aufenthalt in Kasachstan.

Wir schlafen also aus, genießen Frühstück und vor dem Sightseeing durch die Stadt bittet Julia mich darum die Kupplung an Elenore einzustellen, sie trennt nicht sauber. Also wird das zunächst eingeschoben beim eh geplanten Rundum-Check aller Schrauben nach dem gestrigen Tag. Oh je – welch gruseliger Anblick – der Kupplungszug hängt am sprichwörtlichen seidenen Faden. Genau zwei kleine Litzen des Drahtzuges sind noch intakt……ich kann es nicht fassen – wäre der gestern auch noch gerissen – ich glaube ich wäre in der Steppe verzweifelt!!!! Aber Elenore und Kylie haben sich durchgekämpft! Treue Motorräder!!!!

Zum Glück haben wir für solche Fälle einen Ersatzzug parallel verlegt, so dass die Reparatur relativ schnell geht. Leider war der Ersatzzug wohl in den letzten Jahren (schon für die Panamericana 2013 war er verlegt worden) etwas vernachlässigt, so das er erst wieder ausgebaut und mit viel WD40 gängig gemacht werden musste – aber wir hatten Zeit und Ruhe jetzt klappt alles wieder.

Altyrau liegt gute 20m unter dem Meeresspiegel am Beginn des Ural-Delta und ist damit eine von weltweit zwei Städten die auf zwei Kontinenten liegt. So machen wir natürlich ein Foto auf der Uralbrücke – Julia ist bereits in Europa, ich verharre in Asien. Am Abend noch eine Bootstour – leider nicht bis ins Delta – hierfür benötigt man eine besondere Erlaubnis. Wir dachten wegen der Grenznähe zu Russland – tatsächlich aber wohl wegen des Schutzgebietes und der illegalen Machenschaften rund um den schwarzen Kaviar – die Polizei kontrolliert das Gebiet wohl sehr intensiv um dem Stör seinen Lebensraum zu sichern. Überall gibt es kleine Strände und man sieht die Menschen im Fluß baden, was hier problemlos möglich ist, da der Fluss so langsam fließt. Kinder am Rhein können das leider nicht!

Morgen geht es dann wieder zurück nach Russland -leider erfahren wir beim Abendessen, dass die Straße nicht besser sein soll als das was wir gestern erlebt haben *grrrr*

Kurzes Fazit zu Kasachstan:

Kasachstan ist riesig, vielseitig und seine Menschen sind super herzlich und gastfreundlich. Die aus Russland bekannten Lenin-Statuen wurden ausnahmslos ersetzt durch den letzten Herrscher von Kasachstan, Tauke Khan (18.Jh.), der hier sehr verehrt wird. Er hat die kasachischen Horden vereint und das Nomadenrecht niedergeschrieben und mit den islamischen Regeln verknüpft. Allerdings müssen wir auch festhalten: Kasachen können keine Straßen (siehe oben), Häuser (unbeschreiblich wie hier gehuddelt wird) und Treppen (alle Stufen haben verschiedene Höhen) bauen – da ist noch Nachholbedarf.

Donnerstag,29.06.2017 – letzte 290km in Kasachstan

Wir fahren gespannt am frühen Morgen los – die Berichte zum Straßenzustand lassen uns „Böses“ erahnen. Aber es ist alles nicht so schlimm – der letzte Reisetag hat uns abstumpfen lassen. Es ist halt eine typische kasachische Straße, wobei hier zumindest ein Rest an Straße erkennbar ist, mit vielen Schlaglöchern. Aber mit einem Motorrad noch gut zu befahren – den nächsten Pylonentest beim ADAC Sicherheitstraining fahren wir locker flockig und einhändig….

Am Grenzposten werden wir mit der Überschrift „Good Luck“ begrüßt. Ist es Sarkasmus? Egal, mögen die typischen Grenzspiele beginnen.

Wir verlassen Kasachstan nach 27 Tagen und ca. 6500km!

Nach Hause müssen wir leider auch wieder - unser Weg zurück führt uns wieder nach Russland, dann über Georgien und die Türkei nach Europa - wie genau es von Istanbul weiter geht, das wird sich zeigen.....hier könnt ihr es verfolgen