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LAGERFEUER-Duisburg

 

Wir dürfen an diesem Kult-Ort erneut von unserer Reise erzählen....notiert euch schon mal den Termin: 16.03.2019

 

Wenn ihr geren in eurer Region eine Vortrag hättet - wir kommen gerne - schreibt uns an.

 

Julia+HaDi

F.A.T. - Stammtisch Westerwald

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Washington BDR

WABDR etwa 1000km Offroad-Spass - wir starten am 14.08.2018 in Portland und fahren in Richtung Norden bis nach Canada.

Am 10.08.2018 fliegen wir mit Condor von Frankfurt als Direktflug nach Portland/Oregon. 11 Std. Flug in der Holzklasse. Die Sitze sind so eng, dass wir ernsthaft überlegen einen lächerlich hohen Preis für das Upgrade auf 1 . Klasse für den Rückflug zu buchen.

In den USA angekommen läuft alles am Schnürchen. In 0,nix sind wir durch den Zoll und Travis erwartet uns bereits. Er wohnt mitten in Portland, keine 5 min. vom Flughafen entfernt. Bei Travis angekommen, hat Kelly, Travis Freundin bereits gekocht und empfängt uns mit einem Whisky/Cocktail. Alles ist perfekt! Bis auf, dass ich (Julia) erneut heftigste Rückenprobleme habe und sehr froh bin, dass wir erst in 2 – 3 Tagen losfahren wollen. Also hochdosiert Diclo einschmeißen und hoffen, dass die Schmerzen bald weg sind. Auf der anderen Seite so fing ja auch unsere Tour nach Kasachstan an und es wurde ein wunderbarer Trip. Vielleicht ist das ja ein gutes Zeichen!

Travis hat unser Gästezimmer herzlich eingerichtet und als Betthupferl auf jedes Kopfkissen eine kleine Flasche Whiskey gelegt. Welcome tot he USA!

Den Sontag habe ich damit verbracht meinen Rücken zu schonen, während die Männer Reifen gewechselt haben und noch Kleinigkeiten an den Motorrädern ergänzt haben.

Abends sind wir dann alle Mann nach Cascade Locks gefahren. Dort haben wir Erik getroffen. Erik wandert seit ca. 4 Monaten den Pacific Crest Trail, einen Wanderweg der an der mexikanischen Grenze beginnt und an der Kanadischen endet. Wir haben seinen tollen Blog verfolgt und können es nicht fassen, dass wir genau als er Höhe Portland ist, ebenfalls hier sind. Was für ein Zufall! Ein wunderbarer Abend. Am Montagmorgen wollen wir möglichst schnell die Motorräder zulassen und dann vielleicht schon am Nachmittag losfahren – auch wenn wir dann nicht weit kommen, sind wir dann zumindest schon mal unterwegs! Aber Travis Motorrad macht uns einen Strich durch die Rechnung. Und so entscheiden wir uns erst am Dienstagmorgen los zu fahren. Was für meinen Rücken ohnehin die bessere Wahl ist, da er zwar deutlich besser, aber eben auch noch nicht gut ist.

Das zulassen der Motorräder hat 1 ½ Std. gedauert und ich musste ständig an den Film Zoomania denken, da wir ja gerade bei der Behörde von Flash die Zulassungen machen lassen (DMV). ?

Die Zulassung für mein Motorrad kostet 209 Dollar, da das Motorrad seit längere Zeit nicht zugelassen war und eine komplett neue brauchte. HaDi kam billiger davon. Seine kostete 90 Dollar, da das Motorrad nur umgeschrieben werden musste. Dann haben wir noch eine amerikanische Prepaid Kate geholt, die in ein altes Handy was wir leihweise von Travis bekommen, gesteckt haben. So können wir einen Hotspot machen und haben mit unseren Handys wifi! Großartig!!

Am Dienstag, 14.08.2018, geht es dann endlich los. Die ersten Kilometer mit UNSEREN eigenen amerikanischen Motorrädern rollen sich gut und nach gut und gerne 90km heißt es erstmals „Pavement ends“. Wir freuen uns riesig auf diese Tour, offroad durch diese traumhafte Natur. Leider ist die Sicht heute extrem diesig, da in Oregon in der Nacht weitere Waldbände ausgebrochen sind. Fernsicht bis ca. 500m – das ist alles andere als schön, denn eigentlich hatten wir uns auf mindestens drei Vulkane gefreut. Aber egal, die Landschaft ist auch mit ohne Fernsicht wunderschön. Auf gutem Schotter geht es auf und ab in den Bergen, ach dürften wir das doch auch in Deutschland. Wir verschaffen uns heute das Gefühl für die neuen Zweiräder, aber sie fahren sich toll. Wir haben aber auch mit dem Gepäck gespart, weniger ist hier deutlich besser, jedes Kilo quält die Maschinen und uns.

Ab und an kommen wir wieder auf asphaltierte Strassen, auch die sind traumhaft leer und lassen sich gut fahren, dienen uns aber nur dazu den nächsten Abzweig ins Schotterbett zu finden. Irgendwo machen wir eine kurzen STOP, da eine Ice Cave am Wegesrand liegt. Tatsächlich kommt aus dem Erdloch eine kalte Briese und unten angekommen finden wir selbst im August noch Eis. Ganz frühe Siedler haben sie als Kühlschrank und Lagerraum für Käse genutzt – wir sind auf den alten Siedlertrecks!     

Gegen 16Uhr steuern wir einen kleinen Gebirgssee an, der uns – ohne Dunst – einen wunderbaren Blick auf den dahinter liegenden Vulkan Mt.Adams bieten würde. Eigentlich wollten wir nur kurz anhalten, aber der Platz ist wunderschön und wir entscheiden uns hier zu bleiben. Ein Bad kommt nach dem vielen Staub ganz gelegen. Außerdem haben wir ja auch 208km auf der Uhr!

Aber auch die Menschen sind erstaunlich……es gibt hier nichts außer dem Campingplatz, aber die Nachbarn um uns  herum versorgen uns mit Wasser, Trauben und leckeren Cookies. Wunderbar! Und so finden wir super nette Gesprächspartner am Lagerfeuer…….die Reise hat erfolgreich begonnen.

Mittwoch, 15.08.2018, 215km (Gesamt: 423km)

Nachdem wir gestern die ersten Schritte auf der Washington BDR getan haben freuen wir uns auf den nächsten Schritt. Die Nacht am See war toll und leider legt sich auch am Morgen der Dunst nicht, so dass wir Mt. Adams nur erahnen können, Schade, denn eigentlich sollte der Anblick überwältigend sein. Aber so ist es halt.

Nach einigen guten Schotterabschnitten kommen wir nach Packwood und beenden damit Section one mit eine Burger zum Mittagessen. Kurz hinter Packwood geht es sofort wieder in die Wildnis. Hier ist es toll und wir haben einige Einblicke in die vulkanische Natur. Überall finden wir Lava-Felder und erfreuen uns einer tollen Natur. Leider immer noch ohne Weitblick. Kurz vor „Bethel-Ridge“ entscheiden wir uns für die einfachere Variante. Auch Travis möchte mit der dicken Super Tenere ungern den schwereren Abschnitt fahren. Es ist trotzdem erstmal wirklich eine kleine Herausforderung und wunderbar. Am Ende erfahren wir, das die schwerere Variante wegen Bauarbeiten im Wald unbefahrbar geworden ist – gute Entscheidung.

Nach einer kurzen Asphaltphase geht es wieder steil bergauf. An einem kleinen Abzweig wollen wir dem Gerrääät eigentlich nicht vertrauen, denn wir sollen vom Schotterweg auf einen kleinen sandige Single-Trail abbiegen. Aber ok – wenn der Gerrääät es so will…..nach einigen tollen Waldpassagen geht es ständig bergan und es wird irgendwie immer steiniger. Plötzlich ist er da, eigentlich haben wir ihn hier nicht vermutet, aber er ist es, der „Baby-Head-Hill“. Ihr könnt ihn gerne mal in YouTube googeln. Ein gruseliger steiler Anstieg voller Geröll, der alles von uns abfordert. Ich möchte hier mal etwas zu Julia sagen: Sie hat seit Beginn der Tour mit einem Hexenschuss zu kämpfen und kommt manchmal kaum auf das Motorrad rauf. Aber sie beißt sich durch und erkämpft sich sogar diesen Anstieg. Nur in der Mitte nimmt sie sich eine kleine Auszeit, legt sich und die DR650 in den Geröll. Dabei kommt es zu leichten Prellungen an der Hüfte, dem Schienbein und dem Knöchel….trotzdem lautet die Devise: „Kein Blut also erst einmal ein Foto“! Ich will ihr helfen, das Motorrad hochfahren, aber das verbietet die Ehre. Oben angekommen gibt es eine kurze Verschnaufpause bevor der echt anstrengende und über viele km andauernde extrem steinige Abstieg beginnt. Selbst die Natur kann uns nicht entschädigen, der Dunst liegt über uns. Ich jedenfalls bin extrem angetan über die Energieleistung von Julia!!!!!! Wir alle sind platt und gönnen uns in Ellensburg ein Hotel mit Dusche und reichlich Bier.

Donnerstag, 16.08.2018, 223km (Gesamt: 646km)

Ich nehme es mal vorweg – ich in leicht depressiv durch den Tag gegangen. Über 600km fahren wir mittlerweile und dieser Dunst hört nicht auf. Die Augen brennen, Sicht teilweise unterirdisch, blauen Himmel haben wir schon ewig nicht mehr gesehen und die Sonne scheint auch tagsüber nur rötlich. Was für eine Katastrophe diese Waldbrände tatsächlich sind, das erfahren wir gerade am eigenen Leib. Und Washington ist nur ein kleiner Teil!!!!

Aber vor vorne. Der Tag beginnt grandios. Genau so habe ich es mir vorgestellt. Nach dem Einstieg mit fast ausschließlich Schotter am ersten Tag, der schwereren Passagen gestern kommt heute wieder ein anderer Untergrund auf uns zu. Wir fahren erst einmal durch ein riesiges altes Waldbrandgebiet. Puuuuhh – das ist beeindruckend wir großdiese Fläche ist, die hier gebrannt hat. Aber die Natur in den „Tabel Mountains“ kommt zurück. Neben Gras, Sträuchern und Gestrüpp sind auch die ersten Bäume wieder da. Wir sind tief beeindruckt, als plötzlich 6 oder 8 riesige!!!! Hirsche unseren Weg  kreuzen….wow ….. größer als die meisten uns bekannten Pferde!

Anschließend wird es sandig und wir müssen uns sehr konzentrieren, denn Sand ist nicht gerade unser Lieblingsuntergrund. Aber es wird noch spannender. An einer Stelle überrascht uns ein gut 100m breiter Felssturz, der die Straße mitgerissen hat. Der provisorische Weg fordert einiges von uns ab, aber das haben wir ja gesucht! Schließlich kommen wir zur besten Mittagszeit in Wenatchee an und finden am Straßenrand einen wunderbaren mexikanischen Food-Truck. Leider erfahren wir aber auch, dass die nächsten Abschnitte der BDR gesperrt sind wegen der riesige Waldbrände. So nehmen wir die Hauptstraße am Columbia-River bis kurz hinter Brewster. Hier ist der Columbia River gestaut und es gibt einen wunderschönen Campground direkt am Ufer. Das kommt genau richtig, denn die Fahrt war schlimm. Teilweise war der Dunst so dicht, dass wir die andere Seite des Flusses nicht erkennen konnten. Wir fahren jetzt seit über 600km durch Rauchschwaden – WAHNSINN!

Freitag 17.08.2018, 178km (Gesamt: 824km)

Früh morgens – so gegen 05:00 Uhr werden wir von Regengeräuschen geweckt. Regen war nicht angekündigt! In Gegenteil – Sonne und 40 Grad. HaDi springt elfengleich aus dem Zelt und rettet unsere Klamotten. Es regnet nicht lange – aber es wäre alles nass gewesen. Noch mal gut gegangen. Als wir um 07:00 Uhr aufstehen ist der Spuk schon wieder vorbei. Wer jetzt denkt damit wäre der Rauch aus der Luft gewesen, hat sich genau wie wir geirrt. Der Rauch hängt immer noch in der Luft. Travis Handy ist leer und er bittet mich sein Handy mit meinem Motorrad zu laden, da seine Ladestation kaputt ist. Klar mache ich! (Ich habe also sein Handy, das ist für später wichtig!)

Der Plan für heute ist nach Pateros zu fahren und dann gen Norden, um wieder in die Route ein zu steigen. Travis fährt wie immer voran und biegt plötzlich nach rechts ab. Das war zwar nicht vereinbart, aber er kennt sich hier aus – wir also hinterher. Die Straße wird schnell zu einer gut zu befahrenden Schotterpiste und es geht mal wieder steil bergauf. Plötzlich dreht Travis wieder und deutet in die Richtung zurück und braust an uns vorbei.   ???  Wir wieder hinterher. Er ist viel schneller als ich (Julia). Für mich ist es wichtig, dass ich meine eigene Wohlfühlgeschwindigkeit fahren kann, da ich sonst sehr unsicher werde auf dem losen Untergrund.

Travis ist außer Sicht und wir finden ihn nicht wieder. Das ist sehr ungewöhnlich und wir machen uns Sorgen. Normalerweise wartet er an einer Weggabelung. Was sollen wir tun? In Richtung Pateros fahren wie ursprünglich vereinbart, oder in Richtung Abkürzung zum Track? Wir sind unschlüssig und entschließen, dass wir die Abkürzung durch die Wildnis nehmen – denn das war der Weg, den Travis eingeschlagen hattet. Er war nur einmal falsch abgebogen – das konnten wir auf unserer wirklich genialen Buttlermap erkennen.

Wir fahren stundenlang durch einsame Gegenden, ohne ein Zeichen von Travis zu finden. Manchmal haben wir das Gefühl den Abdruck seines Hinterreifens zu erkennen. Aber das ist  ganz klar vage Spekulation. Denn im losen Sandboden den Abdruck eines 606 Dakar zu erkennen wäre schon Indianerlike! Die Strecke wird manchmal einfach nur gruselig, da weite Abschnitte weichster Sand sind und es gerade für mich und meine Fähigkeiten kaum möglich ist das Motorrad zu kontrollieren.  Völlig fertig stehen wir plötzlich, kurz hinter der abgebrannten „Rock Creek Lodge“ vor dem Schild „Road closed“ Na super was jetzt? Wenn Travis uns sucht dann ja wohl nur auf dem Track und nicht irgendwo daneben! Es nutzt nix, wir müssen runter vom Track, denn bei den ganzen Waldbränden und auch so werden wir nicht entgegen der Anweisung „Road closed“ weiterfahren. Wir fahren zu Kleinstadt Okanogan, suchen ein Fastfoodrestaurant mit Wifi und überlegen wie wir Travis ohne Handy – denn das habe ich ja, erreichen können.

Wir finden keine Möglichkeit und ich gehe zum örtlichen Sheriff.

Sheriff Frank T. Rogers nimmt sich mir an. Er ist ein Original! Geschätzt Ende 50, militärischer Haarschnitt, umfänglich bewaffnet und unglaublich freundlich. Ich darf in sein Büro und eröffne, dass Travis, HaDi und ich Polizisten sind und was alles so am heutigen Tag passiert ist. Er will Travis Kennzeichen haben und googelt ihn. Ruckzuck hat er ein Foto aus dem Internet ausgedruckt und schickt seine Ranger los. Das Search and Rescue Team will er erst später losschicken, denn er meint nur: “Ich bin auch manchmal 24 Std. in den Wäldern – ihm ist schon nichts passiert!“ Mr. Rogers bekommt ein Hemdabzeichen der Polizei NRW von mir. (Ausgetrennt aus alten Diensthemden, denn so richtige Abzeichen kaufen können wir ja nicht). Er gibt mir zwei riesige Sheriff Abzeichen und eine schwere, geprägte Münze. Mann, das  ist so peinlich! So ein abgeranztes 100 mal gewaschenes NRW Abzeichen gegen fuschneue amerikanische Abzeichen und ne Münze. Peinlich!!!

Wir vereinbaren mit Sheriff Rogers, dass wir onroad nach Conconuly fahren, denn die Kleinstadt liegt wieder auf der Route und dort abwarten. Sollten wir Travis wiederfinden, sollen wir ihn anrufen. Klar! Auf jeden Fall. Als wir in Conconully einrollen und nach links auf den Campingplatz fahren wollen, sehe ich Travis etwas weiter auf der Hauptstraße stehen. Wir fallen uns in die Arme – was für ein Abenteuer. Ich weiß nicht, ob das hier richtig klar wird. Die Gegenden durch die wir fahren sind einsam und die Wege / Pfade schwierig. Wer sich hier in einer Kurve verbremst und über eine der vielen Klippen stürzt wird so schnell nicht mehr gefunden! Als erstes rufen wir den Sheriff an und melden, dass alles wieder gut ist. Dann begutachten wir Travis Motorrad, was durch zwei Stürze stark ramponiert ist. Nicht nur dass ein Spiegel kaputt ist und eine seiner Boxen zerbrochen ist, nein, das Motorschutzblech hat sich derart verbogen, dass es sich in den Ölfilter gedrückt hat.

Dieser Scheiß „Silksand“ – wirklich fürchterlich zu fahren. Und da Travis immer recht flott unterwegs ist, verursachen Stürze natürlich auch mehr Schäden als ein Umfaller“ bei 30 km/h.

 

Egal! Wir sind wieder zusammen und lassen den Abend in einer typischen amerikanischen Kneipe bei Bier und Burger/Steaks ausklingen. Wir sind alle drei geschafft.

Samstag 18.08.2018, 238km (Gesamt: 1062km)

Morgens trennen sich unsere Wege – aber diesmal geplant. Travis muss zurück, denn er muss Montag wieder arbeiten und uns zieht es weiter Richtung Nighthawk (der Grenzübergang USA/Kanada).

Bevor wir losfahren schauen wir uns noch die große „American Quilt“ Ausstellung an. Es sind Leute aus ganz Amerika angereist und sich das anzuschauen.  Danach geht es los Richtung Norden mit einem Stopp in Loomis, denn hier ist die letzte Möglichkeit aufzutanken. Als wir in das Dorf einfahren, ist kurz vor der Tankstelle ein großes Fest im Gange. In der Tankstelle erfahren wir, dass wir für 12 Dollar „All U can eat Primerib“ essen können. Kurzerhand nehmen wir am Fest teil. Die Dorfbewohner freuen sich, denn sonst kommen keine Fremden vorbei. Stolz wird Oma Inge zu uns gesetzt, sie ist mit 12 aus Hannover ausgewandert und spricht nun mit 89 immer noch ein hervorragendes Deutsch! Einer der Köche kommt mit einem langen Ausbeinmesser auf uns zu. Ein Messer der Firma Zwilling. Uralt es ist seit eh und jeh in Familienbesitz – er weiß nicht wem es ursprünglich gehört hat. Die Amerikaner sind unglaublich freundlich! Immer wieder auf der Reise sprechen und Menschen an und sagen „Good to have you here!“ Ich habe das Gefühl, dass sie Angst haben Ausländer könnten aufgrund der politischen Lage  alle über einen Kamm scheren. Manche sprechen es deutlich aus und andere umschreiben es. Uns ist die politische Lage wie immer egal – wir wollen die Menschen kennen lernen und die Menschen in Loomis sind wahnsinnig nett und gastfreundlich. Außerdem war das Essen der Hammer!!!

Mit vollen Mägen fahren wir über die Grenze bis nach Kelowna. Hier ist der Rauch so stark, dass die Augen brennen und der Brandgeruch stark wahrnehmbar ist. Der örtliche Triathlon wurde abgesagt – das Ganze wäre gesundheitsschädlich. Mann, was sollen wir nur tun? Egal wo wir hinkommen – alles verraucht.

Nach www.firesmoke.ca können wir nur stark nach Osten fahren. Ab Montana würde es besser.

Wir bleiben jetzt erst mal 2 Nächte in Kelowna und entscheiden dann was wir machen.

Sonntag, 19.08.2018 (KELOWNA)

Heute ist Ruhetag. Wir wollen uns ausgiebig Zeit für Kelowna nehmen. Felix, mein (HaDi) Sohn war hier vor einigen Jahren als Austauschschüler und schwärmt in größten Tönen von dieser Stadt und seiner Umgebung. Leider nimmt uns der Rauch die Sicht auf die Umgebung, aber vieles lässt sich erahnen. Der Okanagen-Lake liegt traumhaft zwischen den Bergen und bietet die optimalen Bedingungen für Wein und Obstanbau. Die ganze Stadt ist mit Blumen geschmückt und es finden sich überall Hallen mit Obst und Gemüse der Region, sowie ganz viele ausgezeichnete Weingüter. Am Samstag laufen wir bis in die Altstadt und den Hafen und genießen den Abend auf einer Dachterrasse bei kühlem Bier und Chicken Wings. Am Sonntagmorgen ist der Nebel etwas!! weniger aber es reicht nicht für weite Blicke. Also machen wir ganz langsam und starten gegen Mittag mit einer Weinprobe und Geschichten zum Tal – da die Probe pro Person mit $10 berechnet wird, dies aber beim Kauf einer Flasche Wein angerechnet wird wandert natürlich auch ein viel zu teurer aber hervorragender Rotwein für den Abend in die Tüte.

Anschließend wandern wir wieder durch die Altstadt, eigentlich nur um die Zeit bis zur Abfahrt des Busses zu überbrücken, als ich eine kleine süße Schnapsbrennerei entdecke. Schwupp verkosten wir den hiesigen Obstbrand verschiedenster Früchte, erfahren viel über die Brennerei und ihr Wissen, welches in Deutschland und Österreich erworben wurde und natürlich gibt es eine leckeren Birnenbrand als Wegzehrung in Idaho…..

Am Nachmittag müssen wir dann auf Empfehlung von Felix den Burger mit Triple-O-Sauce beim White Spot testen – schreibt es euch auf, diese Empfehlung geben wir uneingeschränkt weiter, falls Ihr Euch mal in die Gegend verirrt.

Montag, 20.08.2018, 418km (Gesamt: 1480km)

Heute geht es weiter. Auf Empfehlung einiger Motorradfahrer machen wir einen kleinen Umweg und nehmen den Highway 6 in Richtung Osten. Unser Ziel ist Nelson, ein kleines „Hippie-Dorf“ wie man uns gesagt hat. Der Highway 6 ist wirklich traumhaft, einsam, gut zu befahren und in einer tollen Natur, zumal sich auch der Dunst ein wenig lichtet. Der Visitorcenter in Nelson ist liebevoll in den uralten Bahnhof intergiert. Hier bekommen wir Tipps für die Kleinstadt, aber auch die nähere Umgebung. Da es schon 17:00 Uhr ist, müssen wir uns für eines entscheiden. Eine in ca. 45 km gelegene heiße Quelle soll es werden. Der Ainsworth Hotspring. Wir nehmen uns für einen kleinen Campingplatz, der nur 800 m vom „Hotspring“ entfernt liegt. Dort angekommen stellen wir schnell das Zelt auf und huschen zum Hotspring. 13 Dollar pro Nase und die Entspannung beginnt! Das erste Becken hat angenehme 38 Grad. Daneben ein kleines Becken mit Wasser aus dem 10 km entfernten Gletscher – das Wasser hat sich zwischenzeitlich auf 9 Grad „aufgewärmt“. Und dahinter geht es in Höhlen, durch die man schwimmen oder auch gehen kann. Hier ist das Wasser 41 -45 Grad heiß.

Der Hotspring gehört den Indianern des Stammes der Kootenay oder auch Ktunaxa (Aussprache K-tuuNA-cha). Er war schon vor hunderten Jahren als heilendes, spirituelles Wasser bekannt. Wir entspannen herrlich in den verschiedenen Becken und machen immer wieder Pausen, da das ganze ziemlich anstrengend für den Kreislauf ist. Hier könnte man ungelogen locker einen ganzen Urlaub verbringen. Mit wandern in der Umgebung, schwimmen im Kootenay-See und entspannen in der heißen Quelle. Julias Rücken und Knie geht es augenblicklich besser, was aber vielleicht auch an dem einen, oder anderem Whisky gelegen haben könnte. ?

Dienstag, 21.08.2018, 260km (Gesamt: 1740km)

Am nächsten Tag geht es weiter Richtung Idaho. Endlich sieht man mal Himmel. Die Straße schraubt sich malerisch einen 1800 m hohen Pass hoch und plötzlich riecht es wieder nach Feuer und Rauch. Der Rauch wird immer stärker und wir können auf dem Weg vom Pass hinunter erkennen, dass  ein riesiges Waldgebiet direkt links von uns brennt. Es ist erschreckend!

In Kelowna, haben wir einen Mann kennengelernt, der für die Holzindustrie als „Aufforster“ arbeitet. Er meinte auf die Feuer angesprochen, dass es gut sei, dass die Waldbrände heute nicht sofort eingedämmt würden, da die Kieferwälder die Feuer benötigen um sich zu verjüngen. Erst nach einem Brand explodieren die Samen und bilden neue Bäume. Nachteilig ist jedoch, dass die Sommer trockener und heißer geworden sind und damit Brände häufiger vorkommen.

Gegen Mittag erreichen wir die Grenze und nach einem wirklich schnellen Check biegen wir nach 50m sofort von der Hauptstraße ab und starten die Idaho Back Country Routes!

 

weiter geht es auf der Seite für die Idaho BDR (siehe links oben)

leider kann ich hier die direkte Weiterleitung nicht einfügen :-(