Aktueller Standort:

 

Emilia Romagna in Italien

 

Wir genißen unseren Urlaub mit MANni und haben uns recht kurzfristig für Süditalien entschieden. Den Reisebericht gibt es hier: *Italien

 

Aktuelles

Wir haben umgesattelt.

- zumindest teilweise :-) 

 

2021 haben wir uns in Düsseldorf in ein Wohnmobil "schockverliebt". Nach 12 Monaten Wartezeit ist "MANNI" im August 2022 endlich angekommen. Nach ein paar Kurztrips in die Eifel, an die Mosel und nach Bayern ging es am 14.11.22 zum ersten richtigen WoMo-Urlaub gehen. Wer uns kennt, der weiß, dass das kein 0-8-15 Urlaub wurde. Wir lieben die Herausforderung und deshalb ging die erste Tour nach Norden durch Finnland und Norwegen. Denn wir hofften darauf die Polarlichter zu sehen. 

2023 folgte dann der zweite größere Urlaub, einmal die Moldau von der Quelle bis zum Zusammenfluß mit der Elbe.

 

Alles über unser neues Gefährt erfahrt ihr unter "Fahrzeuge", die ersten Touren stellen wir wie gehabt hier ein. Ihr findet die Tour en unter "Europa / *Polarlichter" und unter "Europa/*Moldau". Zukünftig sind alle Wohnmobil-Touren mit einem *gekennzeichnet.

 

Viel Spass beim Lesen

Julia und HaDi

F.A.T. - Stammtisch Westerwald

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Peru 2 - der Süden des Landes

30.11.2013 bis 12.12.2013, 2300km (Peru insgesamt: 4800km, gesamte Reise: 36.700km)

mit freundlicher Genehmigung von www.welt-atlas.de

Nach drei wunderbaren Tagen in Lima, geht es weiter in Richtung Süden. Die Panamerikana, die wir bis einschließlich Equador traumhaft fanden, ist seit Peru eine langweilige Straße, die zumeist geradeaus durch die Wüste führt. In den Teilen, wo die Wüste nicht vermüllt ist, hat auch diese Straße ihren Reiz, doch da wo Tonnen an Müll abgeladen wurden und es immer wieder stark nach Verwesung stinkt, ist sie kilometerlang einfach furchtbar. Dann kommt plötzlich ein ca. 50 kilometerlanges Stück, wo der Strand toll aussieht und alles sauber ist. Die Wellen des Pazifik rollen malerisch auf den hellen, bis zum Horizont reichenden Sandstrand. Doch hier ist die Gegend in Privatbesitz. Riesige eingemauerte und mit Sicherheitspersonal besetzte Areale scheinen Wochenendhäuser von reichen Leuten zu sichern. Ohne Erfolg suchen wir eine Zufahrtsmöglichkeit zum Meer. „Du kummst hier nätt rrrein!“

 

Irgendwann kommt ein Dorf, an dem wir endlich eine Straße finden, die am Meer endet. Hier setzen wir uns hin und machen Mittagspause. Wir sind wirklich versucht hier zu bleiben, denn der Strand ist wirklich schön. Aber wir haben noch viel zu sehen in Peru. Danach geht es noch ca. 130 km weiter. In dem sehr touristischen Ort Paracas finden wir ein schönes Hostal und überlegen, ob wir noch einen Tag länger bleiben sollen um das nahegelegene Inselnaturschutzgebiet zu besuchen. Als wir die hunderten Touris sehen, die massenweise abgefertigt werden, entscheiden wir, dass es besser ist weiter zu fahren.

Am heiligen ersten Advent fahren wir in Richtung Nazca und schauen uns von einem Eisenturm drei der 36 Figuren an. Der Boden hier ist betonhart, obwohl er aussieht als sei er lockerer Sandboden mit vielen Steinen drin. Von der Panamerikana aus, neben der der Eisenturm steht, sieht man noch nicht mal den Ansatz von den Linien im Boden. Aber kaum ist man ein paar Meter höher, sieht man die enorm großen Figuren, die 1927 erstmals auf einem kommerziellen Flug entdeckt wurden. Das ist schon beeindruckend! Wir reden mit ein paar Einheimischen. Sie freuen sich, dass wir aus Deutschland kommen und sagen immer wieder wie dankbar sie Frau Dr. Maria Reiche sind, die die Nazcalinien erforscht und berühmt gemacht hat.

 

Frau Dr. Reiche hat 1941 erstmals die Nazcalinien studiert und war seither den Linien, der Bedeutung und der Entstehung verfallen. Von 1949 bis zu ihrem Tod 1989 hat sie sich für den Schutz der Linien und Figuren eingesetzt. Sie brachte durch stetigenden Druck die peruanische Regierung dazu den Raum (ca.500 km²) zu schützen, denn die Figuren und Linien wurden bereits durch Reifen- und Fußspuren teilweise zerstört. Nur durch das Engagement von Frau Dr. Reiche, wurden die Nazcalinien letztlich auch in das Unesco Weltkulturerbe aufgenommen.

 

Nach diesem für mich (Julia) besonderen Ort – HaDi habe ich zwischenzeitlich ebenfalls begeistern können - geht es noch ca. 208 km weiter bis nach Puquio. Direkt nach Nazca geht es rauf auf 4200 m Höhe. Die Temperatur fällt von 37 Grad auf unter 10 Grad. Außerdem fängt es an zu regnen. Müde, unterkühlt und hungrig finden wir das Hotel, was Hannu und Sibylle uns empfohlen haben, und machen Feierabend für heute.

 

Obwohl wir am 02.12. extrem früh loskommen, scheinen wir kein Glück zu haben. Ständig müssen wir anhalten (Roadwork), oder der LKW Verkehr wird stark und Überholen auf der kurvigen Passstraße ist zuweilen schwierig. Es wären knapp 500 Bergkilometer bis Cuzco gewesen und bereits nach 100 km wird uns klar, dass das heute nichts wird. Die Region die wir durchfahren ist einsam, traumhaft, bizarr, kurvenreich und sehr, sehr hoch. Wir fahren ca. 150 km auf einer über 4000 m hohen Hochebene. Überall grasen große Guanoko-, Lama-, und Alpakaherden. Auf 4500 m finden wir immer wieder Seen und teilweise liegen Reste (wirklich kleine Reste!) von Schnee umher. Dann geht’s wieder runter und der Himmel voraus bedeutet nichts Gutes! Zum Glück haben wir Kleidungstechnisch aufgerüstet. Nach der kalten Fahrt von Nazca nach Puquio, tragen wir Icebreaker-Unterwäsche und warme Pullover, sowie die Regensperre in unserer Motorradkleidung. Plötzlich kommt starker Wind auf – wir befinden uns in einem engen Tal und die Windböen lassen HaDi in einer Linkskurve fast stürzen. Das Licht wird gelblich, Blitze zucken über den teilweise tiefschwarzen Himmel. Als der Regen einsetzt, bockt mein Motorrad erneut – das alte Wasserproblem scheint durch das Überbrücken des Seitenständerschalters nicht beseitigt zu sein.

Es nutzt nix – so hat Weiterfahren keinen Sinn! Kurzerhand fahren wir vor eine private Lehmhütte und stellen uns unter das kleine Vordach aus LKW-Plane.

( man stelle sich vor 2 Ausländer fahren bei starken Regen vor, und stellen sich direkt vor die Haustür unter das Vordach.) Die Einwohner begrüßen und freundlich und fragen, ob wir reinkommen wollen. (kurze Frage: wie hätten wir so in Deutschland reagiert? Ich beantworte das mal für mich: Nein! Ich hätte mir das Ganze sehr skeptisch angeschaut, ganz bestimmt aber nicht diese wildfremden Menschen ins Haus gelassen!)

Zum Glück ist das Unwetter genauso schnell fort, wie es gekommen ist und so kommen wir nach kurzen „Zickenpausen“ meines Motorrades weiter.

 

In der hässlichsten peruanischen Stadt Abancay machen wir Stopp für die Nacht und sind nach dem Schock über die Stadt mal wieder beeindruckt von der Freundlichkeit des Hotelpersonals. Deshalb ist es hier für uns dennoch schön und wir genießen den Abend.

 

Motorradfahrer aufgepasst – ein Tag in den Anden!

Wir haben heute nur knapp 200km bis nach Cusco auf dem Plan, aber die sind wieder mal der Hammer. Los geht es in Abancay auf 2300m. Nach etwa 45km haben wir immer noch einen wunderschönen Blick auf die Stadt, wir sind nur mal wieder auf 4000m Höhe. Von dort geht es dann sofort wieder etwa 50km bergab bis hinunter auf eine Resthöhe von 1800m. Hier überqueren wir einen Fluß und fahren an diesem etwa 25km entlang, die Straße ist dabei weiter kurvig, schmal und an vielen Stellen offensichtlich weggerissen und anschließend notdürftig mit viel Schotter repariert worden. Abwechslung halt! Als wir den Fluß verlassen geht es die nächsten 40km dann wieder hinauf auf 3500m. Julia hat mal einen Auszug aus der Anzeige vom Gerrrrääähht (GARMIN) gemacht....so sah es dort immer aus! Oben angekommen genießen wir dann eine super Mittagspause bei den INKA-Nachfolgerinnen: frittiertes Schweinefleisch mit frittierten Kartoffeln, Mais und einem Salat aus Minzblättern mit Zwiebeln und Salzdressing. Die letzten gut 30km verbringen wir dann ganz entspannt mit der Anfahrt auf Cusco in einer konstanten Höhe von 3500m – einer weiten Ebene mit viel Landwirtschaft und ganz glücklichen Schweinen, Rindern und sonstigen Tieren. So sind sie, die typischen Tage in den Anden!

 

In Cusco finden wir ein wirklich lebhaftes Backpacker-Hostal, bringen die Mopeds in den Innenhof und planen die nächsten Tage – Macchu Pichu ist wohl Pflichtprogramm.

Puuuhhhh – was für Tage! Ich weiß noch nicht wie ich das alles zusammen fassen kann.

Unser Hostel, Wild Rover“ ist mal wieder ein Glückstreffer. Alles ist hier in grün, orange und weiß ;) Es ist in irischer Hand, bietet eine tolle Stimmung, eine Bar und wirklich gute Zimmer. Nicht umsonst war das „Schwesterhostel“ vor kurzem das beste Hostel in Bolivien. Am Mittwoch, 04.12,2013 machen wir uns, nachdem wir versucht haben meiner (HaDi) Mutter einen Skype – Geburtstagsgruß zu übermitteln ( hat nicht geklappt :( ), auf, um die Stadt zu erkunden. Zuvor aber ein Schock!!!! Wir erkunden uns nach den Möglichkeiten Mach Picchu zu besichtigen.....die Ruinen sind schwer zu erreichen. Es gibt eigentlich nur drei Möglichkeiten:

  1. Wir fahren mit einem Taxi und anschließend ganz kurz mit dem Zug.

  2. Eintagestrip ab 05:00Uhr mit Bus und Zug nach Aguas Calientes, dann Besichtigung und auf gleichem Weg zurück, Ankunft ca. 22:00Uhr

  3. das Gleiche als Zweitagestrip mit Abfahrt um 11:00Uhr, Übernachtung in Aguas Calientes und Rückkehr am nächsten Tag um 22:00Uhr

    Das kostet die lächerliche Kleinigkeit von mindestens 235 US$ pro Person!!!!

     

    Wir denken noch darüber nach den Weg mit den Motorrädern zu nehmen, aber auch das ist schwierig. Die Gesamtstrecke beträgt ca. 230km, die ersten 4Stunden wieder hoch und runter wie bekannt, danach ca. 2 Stunden über eine extrem enge Schotterpiste bis zum Ende der Straße. Von dort mit dem Zug oder weitere 2 Stunden Fußmarsch, Übernachtung in Aguas Calientes, Machu Picchu am nächsten Tag und am dritten Tag zurück.

    Diese Denksportaufgabe beschäftigt uns den ganzen Tag, bis wir schließlich entscheiden auf Machu Picchu zu verzichten. Julia hat die Ruinen vor 30 Jahren schon mal gesehen (nahezu Touristenfrei) und ich bin nicht bereit, dass wir fast 500$ bezahlen. Die Motorradvariante scheidet wegen der momentanen Wetterkapriolen aus. Elenore mag den Regen nicht. In dieser Entscheidung werden wir bestärkt, als am Abend ein Motorradfahrer im Hostel ankommt, der gerade dort war. Er ist pitschenass und völlig durchgefrohren (über 4000m ist es bitter kalt, nicht schön wenn man dort nass ankommt) und Unterkünfte in denen man seine Kleidung ordentlich trocknen kann gibt es dort auch nicht wirklich. Wir entschließen uns stattdessen am nächsten Tag die Inkastätte rund um Cusco zu besuchen – dazu später mehr. An dieser Stelle: Mareile! Es tut uns leid, wir können Huayna Picchu keinen direkten Gruß bestellen!

     

Cusco ist dennoch jeden Besuch wert. Die Stadt ist wunderschön, gut gepflegt und eine interessante Mischung aus Inka-Kultur und spanischer Kolonialmacht. An der wohl bekanntesten Mauer in Cusco (Inkamauer in der Calle Hatunrumiyoc) gewinnen wir einen ersten Eindruck der Präzisionsarbeit der Inkas. Cusco war ja mal eine der beiden Hauptstätte des Inka-Reiches. Wir besuchen das Inka-Museum, welches toll aufgebaut ist und die vorhandenen Informationen weiter ausbaut. Ein lohnenswerter Besuch. Weiter besuchen wir das Schokoladenmuseum und lernen auch noch etwas über die Schokoladenherstellung. Auf dem Weg treffen wir zufällig auf Olli (Orvar) aus Schweden, der mit uns auf der Stahlratte war. Er checkt gerade in einem Hostel ein, als wir zufällig vorbei kommen. Natürlich trinken wir am Abend in unserem Hostel bei BBQ ein Bier gemeinsam. Ein schöner Abend. Ach ja - meine Mutter hat auch noch den "weit entferntesten" Geburtstagsgruß bekommen :)))

Am nächsten Morgen geht es dann hinauf zu den Inka-Ruinen bei Cusco. Zunächst wird gewandert, hoch auf den Hausberg. Dort angekommen gönnen wir uns einen Guide. Josef entpuppt sich als Glücksfall, er spricht gutes spanisch, auch englisch, weiß viel, kann gut fotografieren und verbringt mit uns eine gute Stunde in den Ruinen. „Saksaywaman“ ist die ehemalige Festungs- und Tempelanlage von Cusco. Über die wahre Bedeutung ist man sich heute noch nicht einig. Jedenfalls ist die Anlage beeindruckend in ihren Ausmaßen, obwohl nur noch 1 Drittel steht. Josef erklärt auch gleich wie man dieses schwere Wort der Quechua ausspricht: „Sexywoman“....ohne weitere Worte.

Mich beeindruckt ganz besonders diese Präzisionsarbeit der Mauerbauer (nein, nicht nur der Name!) ....das kann man nicht beschreiben, das müssen die Bilder belegen. Steinblöcke von gewaltigem Ausmaß, der Größte ist etwa 9m x 5m x 4m = 180m3 groß, das bedeutet mehr als 200Tonnen!!! Ok, den kann ein Mensch bearbeiten, aber wie bitte bewegt man diesen Brocken ohne Maschinen an die vorgesehene Stelle und wie passt man ihn so präzise ein? Man kann ihn ja wohl kaum immer mal wieder anhalten und weiter bearbeiten und anhalten und weiter bearbeiten bis er passt. So ein Stein muss SOFORT passen!!! Die Spalten zwischen den Steinen sind eigentlich nicht zu sehen, es wurde kein Mörtel verwendet und die Steine greifen ineinander. Wir haben an einem Stein bis zu 12 Ecken und Flächen gefunden....WAHNSINN!!!!!

Ach ja – auch das Wasserproblem hatten die Inkas gelöst. Josef zeigt uns einen gewaltigen Wasserspeicher, der in der Trockenzeit nicht nur die Tempelanlage sondern auch die Menschen im tieferliegenden Cusco versorgt werden. Offensichtlich waren die schlauer als die Bewohner von Kuelap und sind deshalb länger hier gewesen und konnten auch den Spaniern ein wenig Widerstand leisten......

Anschließend nehmen wir wieder die 1PS-Variante, um weiter oben die Höhlen und Labyrinthe der Inka sowie den Tempel des Mondes zu besichtigen. (Julia: „ ich bekomm den Kerl gar nicht mehr von den Gäulen runter! Was hab' ich gemacht??? DIE GEISTER DIE ICH RIEF!) Juan begleitet uns nun. Auf einem kleinen Berg ist in den Steinen ein echtes Labyrinth aus mehr als 35 Höhlen und Gängen gebaut worden. Hier wurden Felsen für die Ruinen gewonnen, sie dienten aber auch als Rückzugsraum und Versteck bei Angriffen. Wir krabbeln, klettern und kraxeln durch die Gänge und ohne Juan hätten wir uns bestimmt verlaufen. Es ist interessant und spannend zugleich. An manchen Stellen sind die Gänge über 5m hoch und 2m breit, an anderen Stellen müssen wir kriechen und uns wirklich hindurch zwängen. Am Ende steht der Aufstieg und wir klettern hinaus aus dem Loch der „Wiedergeburt“. Dieses stammt aus dem Glauben der Inka, dass die Menschen, die aus der Unterwelt wieder hinauf kommen neu geboren sind. Dazu muss man Wissen, dass die Inka die Welt in drei Teile geteilt und verehrt haben, die Unterwelt (Ukhu Pacha – symbolisiert durch die Schlange), die Menschenwelt (Kay Pacha – symbolisiert durch den Puma) und die obere, die Götterwelt (Hanaq Pacha – symbolisiert durch den Kondor). Diese Tiere findet man auch allenthalben wieder.

Ein weiterer Ritt zum Mondtempel bringt uns nicht nur zum Tempel sondern auch zu einem alten Schamanen, der im Tempel eine Zeremonie vollzieht bei der wir drei Wünsche äußern dürfen – ich bekomme und probiere dabei die ersten Coca-Blätter meines Lebens. Es werden wohl auch die letzten gewesen sein, nicht lecker!!! >> Julia: ich halte nichts von Mystik! Dennoch, fasziniert mich der Schamane und seine Art. Erst wollte ich flüchten, aber alle (HaDi), Juan (Guide) und Pedro (Schamane) bitten mich zu bleiben. Die Zeremonie hat was! Das durch den Schamanen gesprochene Quetchua verstehen wir nicht. Aber die ganze Zeremonie beeindruckt mich tief! Wir kaufen Pedro für kleines Geld ein Andenkreuz als Halskette ab. (Wen's interessiert kann“Andenkreuz“ auf Wikipedia recherchieren). Ich bin aus irgendeinem Grund tief bewegt.<<

 

Danach reiten wir zurück, lassen die Pferde bei Juan und seiner Ranch und gehen erneut die Ruinen von Saksaywaman besuchen. Eines steht noch aus! Die Inka hatten bereits einen Kinderspielplatz! Und wir werden nur schwer erwachsen! Also, was läge näher als dies: Wir benutzen die alten Inkarutschen (glatte Felsen, mit Riefen, die vor Urzeiten von Gletschern geformt wurde und von Kinderpopos poliert wurden) und haben einen riesen Spaß!!!

Schulkinder bewundern uns, sagen immer wieder sie hätten Angst so schnell da runter zu rutschen, sie wollen mit mir und Julia „Rennen rutschen“ - halten aber nach dem Start immer wieder an und bewundern uns für unseren Mut!

 

Die Rutsche war wirklich ziemlich schnell!!

Als wir wieder in Cusco ankommen genießen wir einen Kaffee und kommen gemeinsam zu dem Ergebnis, dass wir heute einen wirklich tollen Tag erlebt haben, viel zu bestaunen hatten, viel gelernt haben und unsere Entscheidung auf Machu Picchu zu verzichten keinesfalls bereuen werden. Den Tag beenden wir dann noch mit zwei besonderen kulinarischen Abenteuern: Meerschweinchen und Alpaca – lecker oder nicht lecker???? Unser Fazit: beides ist lecker. Julia empfiehlt jedoch das Alpaka-Steak, ich bin eher ausgeglichen, finde allerdings das „Schweinerl“ etwas zu „mager“.....zur Belohnung gab es Schokoladenkuchen mit Eis :-)))))

Nikolaus! Und es fühlt sich gar nicht danach an! Wir reden kurz über den ganzen Süßkram, den wir nun verpassen, sind uns aber einig: Wenn wir Mitte Januar zurück sind, dann werden wir die Restbestände aufkaufen und alles nachholen!!!

Der Tag aus fahrerischer Sicht ist schwierig. Wir müssen 395 km fahren, alles in großer Höhe (zwischen 3500 und 4500m) und immer wieder mit schwierigen und anstregenden Bedingungen. Schwarze Wolken drohen mit Regen und starker Wind bedeutet ebenfalls nichts Gutes. Dennoch sind wir mal wieder kleine Glücksschweine – wir kratzen immer haarscharf am Regen vorbei. Einmal fahren wir trocken mitten durch zwei riesige Gewitterzellen. Der Wind allerdings ist unangenehm stark und wir müssen aufpassen nicht von der Straße geweht zu werden. Außerdem fahren wir eine unendlich lang wirkende Zeit durch tiefen Sand auf der Fahrbahn. Warum wissen wir nicht. Auf dem glatten und durchaus unbeschädigtem Asphalt sind Tonnen von Sandsplitt verteilt. Auf gerader Fahrbahn ist das trotz des starken Windes ok, in den Kurven wird es unangenehm, da der Sand dort mehr zusammengeschoben ist. So fahren wir glücklich, aber auch fertig in Puno am Titicacasee ein. Nach kurzer Suche finden wir ein vermeintlich ideales Hotel. Ideal da: 50 Soles – günstig, Tiefgarage – erstklassig!, großes Zimmer, großes Bad, Wifi, heißes Wasser (angeblich – habe ich trotz intensiver Suche nicht gefunden!).

Der Hammer allerdings kommt Nachts! Abends bemerken wir bereits, dass die Leute in Puna gerne feiern. Auf dem Hauptplatz sind Bühnen aufgebaut, dazu eine auf den Stufen der Kirche und gefühlte 20 Bands spielen alle unterschiedliche Lieder. Eine unglaublicher Krach, indem man unmöglich sich auf eine Musikrichtung konzentrieren kann. Immer wieder knallen Feuerwerkskörper und sprühen Feuerregen um uns herum. Die ganze Stadt ist auf den Beinen. Als wir ins Zimmer zurückgehen, lächeln wir uns an und meinen noch naiv: Das wird eine laute Nacht! Aber es kommt anders, die Lautstärke des Marktplatzes wird durch die Diskothek genau gegenüber des Hotels noch locker getoppt. Die Lautstärke ist nicht beschreibbar. Die Fenster vibrieren mit dem Bass der südamerikanischen Technomusik. An schlafen ist nicht zu denken. HaDi wandelt durchs Hotel in der Hoffnung ein anderes Zimmer – hinten heraus – zu bekommen. Da ist es aber noch schlimmer, da hinter dem Hotel ebenfalls eine Disco ist! Gegen 05:00 Uhr wird die Musik so viel leiser, dass wir völlig fertig einschlafen. Um 05:45 klingelt der Wecker, unsere geführte Titicaca-Tour beginnt um 06:45 Uhr. :(

 

Ich möchte es voraus nehmen: obwohl wir wirklich totmüde sind, wird der Tag toll! Wir werden von einem Kleinbus abgeholt und fahren zum Hafen, wo wir auf ein kleines Motorschiff wechseln. Vom Hafen Punos geht es los Richtung der „schwinmenden Inseln“der Urus. Die Urus sind ein Volksstamm, den es bereits vor den Inka gab. Sie sprechen ihre eigene Sprache: Aymara (diese Sprache wird von 2,2 Millionen Menschen gesprochen!) und inzwischen auch spanisch. Die Urus hatten Angst vor den kriegerischen Inka und suchten nach einer konfliktfreien Lösung. Sie bauten ihre Häuser aus dem Totora-Schilf, der auf dem Titicacasee in unermesslichen Mengen wächst. Die Häuser stellten sie auf Inseln, die sie aus den Wurzelballen des Schilfs bauten. Darauf kamen erst noch viele kreuzweise aufgebrachten Lagen des Schilfs und dann die Häuser. Wenn die Feinde (erst Inka, dann Spanier) kamen, haben sie die Inseln vom Land abgestoßen und sind dann auf den See hinaus getrieben und haben sich in den Schilffeldern versteckt.. Wir sind überrascht wie spät man diese Inseln mit den Häusern erkennt. Denn sie passen sich perfekt ein in den mit Schilf übersäten See.

HaDi hat von Anbeginn der Reise immer wieder gesagt wie sehr er sich auf den Titicacasee freut und auf diese typischen Schilfboote. Und so fährt er ca. 20 min mit einem der Schilfboote hinaus und grinst die ganze Zeit wie ein Schneekönig!

 

Danach geht es weiter auf den großen See hinaus. Der Titicacasee ist 15 ½ mal so groß wie der Bodensee und er ist der höchste kommerziell schiffbare See der Welt ( er ist 3810 m hoch!).

Wir fahren in Richtung Bolivien, halten jedoch vor der Grenzlinie auf der Insel Taquile. Die Einwohner, die Taquilen(j)os sprechen Quechua und Spanisch. Sie leben zu 2000 auf der Insel und verzichten auf Polizei! Denn sie leben nach dem alten Inkagebot: „ Ama suwa, ama llulla, ama qilla!“ - „Nicht stehlen, nicht lügen, nicht faul sein!“ Und so wirkt diese Insel auch! Es ist sauber und liebevoll angelegt. Die Bewohner leben zumeist von Fischfang und der Landwirtschaft. Die steilen Hänge sind terrassenförmig angelegt. Wir gehen über den Hauptweg um die Insel herum ins „Zentrum“. Immer wenn wir auf diesem Weg ein Steintor durchlaufen, wechseln wir Distrikte, in die die Insel aufgeteilt ist. Jeder Distrikt besteht aus dem Zusammenschluss mehrerer Familien und hat ein Oberhaupt. Dieser Oberhaupt ( ab und an auch eine Frau) sorgt für konfliktfreies Leben. Jeden Sonntag treffen sich alle Oberhäupter und sprechen sich aus und befinden über Angelegenheiten, die die ganze Insel betreffen. Daran scheiterten bislang (zum Glück!) auch alle Versuche von Touristikunternehmen, Hotels zu bauen.

 

Außergewöhnlich für uns sind die strickenden Männer. Stricken und Weben ist Männerarbeit die Frauen spinnen nur! … ähhh.... das hört sich jetzt komisch an, ist aber so! Die Textilprodukte der Insel sind die hochwertigsten in Peru und wurden von der UNESCO in die Liste der Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit aufgenommen. Diese Stoffe sind extrem fest! Alles ist so eng gewebt, dass mit den Tüchern alles getragen werden kann – vom Baby bis zum Schaf! Beim Mittagessen werden uns weitere Details erklärt. Die Männer tragen selbstgestrickte Mützen. An der Farbe der Mütze kann man erkennen, ob der Mann noch zu haben ist, oder ob er vergeben ist. Ist die Mütze rot/weiß, ist der Mann Single! Ist die Mütze rot/blau, ist er verheiratet. Er kann jedoch die Mütze schon mal wechseln, wenn ihm eine Frau gefällt. Was er niemals ablegen wird, ist eine Scherpe, die ihm seine Frau zur Hochzeit gestrickt hat. Ein hoher Anteil dieser wollenden Scherpe ist aus dem Haar der Frau. Denn die Mädchen sammeln ihr ausgefallenes Haar (nach dem Kämmen) seit sie 5 Jahre alt sind. Wenn sie heiraten wollen, wird das über15-20 Jahren gesammelte Haar mit eingewoben und dem Ehemann geschenkt. So ein Geschenk trägt der Mann ein Leben lang. (Zusatz: Die frisch vermählten Eheleute dürfen 4 Wochen lang nach der Hochzeit ihr Haus nicht verlassen, das bringt angeblich Unglück.)

 

(gut, dass das bei uns nicht so ist...mein Gürtel würde ziemlich spierzig!)

 

Nach dem Besuch der wunderbaren und unglaublich ruhigen und friedlichen Insel Taquile, fahren wir zurück und wechseln das Hotel! ;)

 

Am Sonntag, 08.12.2013 verlassen wir Puno und fahren in Richtung Arequipa. Geplant ist ein Zwischenstop am Colca-Canyon, dem tiefsten Canyon der Welt und zugleich Beobachtungspunkt der Kondore.

Es geht zunächst über die weiten Flächen des Altiplano, eine Hochebene gewaltigen Ausmaßes. Kilometerlang fahren wir geradeaus, Kurven sind eine Seltenheit und der Ausblick ist genial. In weiter Entfernung sehen wir schneebedeckte Berge, die das Tal umrunden. Niedersachsen angehoben auf eine Höhe von etwa 4000m!!!! Dabei spielt das Wetter in den Bergen verrückt, wir haben mal wieder Glück und bleiben trocken – zunächst! Nach etwa 200km in der Hochebene und einigen Pässen über 4500m, teilweise noch ordentlich mit Schnee bedeckt (es ist eben gerade erst Frühling, es dampft überall wo die Sonne den Schnee schmelzen lässt) kommen wir um eine Kurve und sehen das Unheil. Der letzte Pass (4550m) liegt etwa 500m vor uns.....das Wetter was dort auf uns zukommt ist gruselig. Eine große Nebel- und Regenwand. Schnell halten wir an und ziehen zusätzlich zur bisher wirklich tollen Kleidung (an dieser Stelle nochmals einen herzlichen Dank an DANE – einfach toll eure Einkleidung) unser Heavy-Rain-Gummikleidung über. Eine gute Entscheidung! Rauf auf den Pass und es beginnt in strömen zu regnen, dazu weht ein kräftiger eisiger Wind. Den ganzen Tag hatten wir etwa 12-14 Grad, auf der Rückseite des Passes sinkt die Temperatur auf 5-7 Grad, dazu der heftige Regen und der Wind – eine gruselige Kombination für jeden Motorradfahrer. Julia hat zusätzlich Angst um Elenore, denn neben der Höhenbelastung (Leistung schwindet teilweise drastisch bei Elenore) können wir einen Regenstreik bei diesem Wetter und in dieser Einöde nun wirklich nicht gebrauchen. Aber Julia war ja schon immer überzeugt davon, dass ihre Elenore eine Seele hat und so trägt sie sie, nur mit kleinen Mucken treu durch das Unwetter hindurch.

Einschub: Julia zeigt sich sehr einsichtig, denn einige Freunde vom Stammtisch hatten ihr vor der Reise dringend geraten den Vergaser zu reinigen, zu synchronisieren und für die Höhe vorzubereiten – sie wollte es nicht, so kurz vor der Abreise.

Am Abzweig zum Colca-Canyon stehen wir vor der Wahl, tiefer hinein ins Unwetter und erneut hoch auf knapp 4900m oder hinunter ins sonnige Tal nach Arequipa. Auch wenn manch einer denken mag, dass wir verweichlicht sind, wir haben uns für die Sonnenvariante entschieden – wir fahren nach Arequipa, insbesondere vor dem Hintergrund, dass derzeit keine Wetterbesserung in Aussicht steht, im Gegenteil, der regen soll deutlich zunehmen – Regenzeit eben.

In Arquipa sind wir schließlich nur noch auf 2300m und das Wetter ist deutlich besser. Zunächst suchen wir verzweifelt nach einer günstigen Unterkunft, finden schließlich „Home sweet home“, wo wir die Motorräder sicher unterstellen und gut unterkommen (55 Soles = 14€ incl. Frühstück für zwei!!) Abends noch ein erster Rundgang durch die Stadt.

Am nächsten Morgen überrascht uns das Hostel nicht nur mit dem besten Frühstück der ganzen Reise (Pfannekuchen, Brötchen, Marmelade, Eier, Kaffee, frisch gepresster Saft) sondern auch mit einem besonderen Ausblick. Das Frühstück wird auf der Dachterrasse serviert, heute bei blauem Himmel und freiem Blick auf den Bilderbuchvulkan „Misti“ - genial!

Nach dem Frühstück geht es hinaus in die Stadt, zunächst wollen wir einen Park besichtigen – dieser ist geschlossen (ist ja Montag....), allerdings hier in der Stadt dauert die Schließung der Parkanlagen von Montag bis Freitag!!!!! Auf dem weiteren Weg kommen wir an einem wunderschönen Gebäude vorbei vor dem ein Schild „Mundo Alpaca“ auf ein Museum hinweist. Scheu gehen wir um das Gebäude, da ein Touribusfahrer uns den Weg weist. Dort finden wir ein wunderschönes Museum der Alpaca-Herstellung, gesponsort von der Firma „Mitchell“, einem großen Alpaca-Stoff/Kleidungs-Exporteur. Es fängt mit einigen lebenden Alpacas, Lamas und Guynoco an, geht über die Wollsortierung hinunter in den historischen Maschinenpark der über Reinigung, kämmen, spinnen und weben den Weg vom Tier zum Pullover erklärt – das alles in toller Atmosphäre und kostenfrei!!! Eine tolle Idee.

Weiter geht es – das Kloster Santa Catalina steht auf dem Programm. Das Dominikanerinnen-Kloster wurde 1579 gegründet. Hierzu wurde ein Stadtteil von über 20.000qm einfach eingemauert und fortan lebten dort die Nonnen in völliger Abgeschiedenheit von der Außenwelt. Hinein kamen zunächst nur die zweitgeborenen Töchter reicher Spanier gegen eine Novizengebühr von 100 Silbertalern pro Jahr und nach Aufnahme einer Mitgift von 1000 Silbertalern (entspricht heute 50.000 US$). Die Nonnen lebten in kleinen Hausgemeinschaften von 2-3 Nonnen mit eigenen Dienerinnen. Jedes Haus bestand aus Schlafräumen, einem kleinen Wohnbereich und einer Küche. Ein Kontakt zur Außenwelt bestand lediglich in Gesprächen durch stark vergitterte Fenster in abgedunkelten Räumen. Diese Abgeschiedenheit dauerte über 400 Jahre. Erst nach den Zerstörungen der Erdbeben von 1958 und wegen starkem Rückgang der Bewohnerinnen (von 150 Nonnen und 400 Dienerinnen zu heute 20 Nonnen) wurde beschlossen das Kloster zu restaurieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das Museum eröffnete 1970! Was soll ich sagen – auch das war beeindruckend! Durch die völlige Abgeschiedenheit von der Außenwelt sieht es im inneren des Klosters so aus, als sei dieser Stadtteil im Jahr 1579 stehen geblieben. Die alten Wohnungen, das wertvolle Inventar, die Dekorationen und viele Kunstwerke aus den Anfängen der spanischen Eroberung wurden erhalten. Lasst einfach die Bilder wirken.

Anschließend natürlich noch der Rundgang durch die Stadt, den Plaza de Armas und und und....Arequipa ist toll!

Nun aber noch eine Anmerkungen wie gut wir es in Deutschland haben. Wir haben heute – mal wieder – versucht eine Straßenkarte von Chile, immerhin das Nachbarland von Peru, zu kaufen. Das was in Deutschland absolut normal ist, eine Karte von nahezu allen Ländern der Welt kauft man in der Bücherei oder bestellt sie, geht in ganz Mittel- und Südamerika nicht. Es gibt keine Straßenkarten. Heute haben wir in Arequipa eine ganz Straßenkarte von Peru gefunden, keine weitere!

Eigentlich war es heute ein sehr schöner Tag. Wir sind von Arequipa zurück an den Pazifik gefahren. Die Landschaft war wunderschön, rote Berge und Felsen, immer wieder durchsetzt vom weißen Sand. Unser Ziel war eine Küstenstraße, die in google-Maps verzeichnet ist, in unseren Karten und auf dem Gerrääht jedoch nicht. Also fahren wir zunächst bis Mollendo, einem Ort direkt am Pazifik. An einem wunderschönen Strand halten wir zur Mittagspause, Essen mal wieder Ceviche. Wir erfahren dass die weitere Straße brandneu ist und bis Chile traumhaft am Strand verläuft. Toll, wir beschließen kurzentschlossen einfach hier zu bleiben und den Nachmittag am Strand zu verbringen. Das Glück ist uns Hold und wir finden sofort eine echt günstige Unterkunft oberhalb des Strandes. So steht dem Strandtag nichts im Wege. Ich (HaDi) kaufe mir schnell eine neue Badehose ( die alte liegt auf Kuna-Island) und wir freuen uns beide auf ein schönes Bad im Pazifik.....leider stocken wir beim Hineinlaufen in die Wellen, der Pazifik ist A...kalt!!!!! Damit hatten wir nicht gerechnet, der Schuldige ist schnell gefunden, der Humboldtstrom aus der Antarktis. Egal, trotzdem kurz rein und bei einem ausgiebigen Sonnenbad wieder aufwärmen.
Am Abend bewundern wir diese Stadt. Überall stehen interessante Häuser, es wird kräftig renoviert und alles heraus geputzt. Die Stadt hat nicht nur einen tollen Strand sondern auch Flair. Bei der Recherche erfahren wir, dass Mollendo bis vor 50 Jahren die wichtigste Hafenstadt in Südperu war, bis etwa 12km nördlich, näher an den Hauptverkehrsrouten, ein neuer Hafen gebaut wurde. Nach einer Zeit des Verfalls glauben die Bewohner offensichtlich an eine Zukunft mit Tourismus, ohne Industriehafen, und legen sich mächtig ins Zeug. Eine so positive Aufbruchstimmung, einen solchen Fleiß haben wir bisher in keiner peruanischen Stadt gespürt. Wir drücken der Stadt die Daumen, sie hat es verdient!

Nun jedoch zum "eigentlich"! Wir haben gerade erfahren, dass ein wirklich guter Freund, den wir auf dieser Reise kennen gelernt haben, während seiner Fahrt durch die Anden plötzlich und unerwartet an einem akuten Lungenödem verstorben ist. Unsere Gedanken sind bei ihm und seiner wirklich lieben Frau!

Unser letzter vollständiger Tag in Peru. Wir waren damit 29 Tage in diesem großen Land und haben wirklich viel gesehen. Tolle Landschaften, insbesondere Berge, Hochtäler und Seen, aber auch Ruinen, Wasserfälle, koloniale Städte und tolle Museen und ganz viele freundliche und hilfsbereite Menschen. Hängen geblieben ist aber auch der unermessliche Dreck, die katastrophalen Autofahrer und die weit verbreitete Armut.

Heute verabschiedet sich Peru noch einmal von einer ganz besonderen Seite. Wir dürfen die Wüste und die Küste genießen. Die Straße von Mollendo nach Tacna (Grenze zu Chile) ist zu einem großen Teil nagelneu und geht durch die Wüste und zu 90% direkt am Pazifik entlang. Sie ist kaum befahren und die Landschaft ist noch sehr sauber, keine wilden Müllkippen. Wir genießen einfach die Schönheit der Kombination von absolut stiller und trockener Wüste mit wildem Pazifik. Ich glaube hier sagen nur die Bilder mehr als 1000 Worte. Deshalb findet die facebook-User hier ein kleines Video!

Mittagspause machen wir in Ilo, einem Küstenort mit ausgeprägter Industrie. Wir machen uns zum Mittagessen einen super leckeren Tomaten/Zwiebelsalat ( mit einer Vinegrette aus Limone, Öl, Salz und Pfeffer) und essen dazu hervorragenden peruanischen Käse und Brot (wenn die Peruaner eines können! Dann Käse!!!!).

Kurz vor der Grenzstadt Tacna wollen wir unser Nachtlager beziehen. Laut Karte ein mittelgroßer Ort. Als wir ankommen macht „Boca del Rio“ nicht unbedingt einen einladenden Eindruck. Alles ist ausgestorben, viele Häuser sind verschlossen, baufällig oder im Rohbau befindlich. Trotzdem finden wir ein Hotel. Kein WiFi. Internet gibt es im ganzen Dorf nicht! Und auch kein warmes Wasser, aber das Hotel hat 3 Sterne.....kostet aber auch nur 50Soles (=13Euro) ein anderes wollte unverschämte 120Soles!!! Wir genießen noch schnell 2 Stunden am wunderschönen einsamen Strand, der nur 100m vom Hotel entfernt ist und kaufen noch Käse und Brot fürs Abendessen. Unser Hotelier erklärt mir, dass hier im Ort nur 500 Menschen ständig wohnen. Viele Häuser gehören Menschen aus anderen Regionen, insbesondere aus Tacna, die ihre Ferien hier verbringen. Im Januar und Februar wächst die Zahl der Menschen auf 4-5000!!! Wow, dann sind die Strände nicht mehr so einsam und traumhaft, dann wird es hier eng.

 

Morgen überqueren wir die Grenze nach Chile – unser letztes Land!